Wir waren Hüterbuben

Wir waren Hüterbuben.

Eine wichtige Arbeit beim Gloisner in Rainbach, war auch das Hüten von Kühen. Wir waren vorher auch schon im Pfarrhof und beim Greul als Hüterbuben engagiert, aber daran kann ich mich wenig erinnern.

Im Pfarrhof hatten wir nur wenige Kühe zu betreuen. Der Weideplatz war meist beim Pferdebahn Wächterhaus Zeindlinger. Beim Greul waren uns meist nur zwei Kühe „anvertraut“. Das konnte man eigentlich nicht arbeiten nennen. Der Weideplatz war weit weg - im Grottental (sprich: Grun-doi).

Auch beim Gloisner hüteten wir den Großteil der Zeit im Grottental. Da hatten wir eine schöne große Herde (10 bis15 Kühe). Das war für uns schon eine wichtige Arbeit, Die meiste Zeit nahmen wir diesen Auftrag auch sehr ernst. Nur ab und zu waren unsere Gespräche und Spiele wichtiger, vor allem wenn nicht nur wir zwei (Rudi und ich) oder einer allein war, sondern Christl und Gerti und andere Freunde noch dabei waren. Dann durften die Kühe auch manchmal beim Nachbar grasen.

An einem Sonntag waren der Reschen Fritz, der Blöchl Hans, der Haunschmied Gottfried und der Karli mit; also eine flotte Partie, zu unserer und der Kühe Freude.

Von zu Hause aus war es uns streng verboten ein Feuer anzuzünden. Trotzdem konnten wir an diesem Sonntag nicht der Versuchung widerstehen. Wir wollten ja auch vor den anderen nicht als Angsthasen dastehen. Wir saßen also gemütlich um das Feuer und hatten eine große Gaudi, als auf der Höhe oben auf dem Weg zu uns eine Schar Leute auftauchten. Zuerst dachte ich mir nichts dabei. Als sie aber näherkamen, sah ich, dass es größere Geschwister und Verwandte waren - und auch unser Vater war dabei. Ich ahnte nichts Gutes. Ich wollte das Feuer löschen, aber die anderen ließen es nicht zu. Schließlich traf die Gruppe bei uns ein und Vater begann fürchterlich zu schimpfen. Alle waren ganz verdattert! Wir löschten schnell das Feuer und unsere Nachbarsbuben nahmen schnell Reißaus. Es gab noch eine lange Belehrung, doch allmählich beruhigte sich der Vater. Gott sei Dank waren die Kühe alle auf unserer Wiese. Den ganzen Nachmittag war es dann sehr still auf der Weide. Zu Hause konnten wir uns dann noch eine lange Belehrung anhören!

Wir hüteten meist Vormittag und Nachmittag. Das Problem war immer, wann wir heimtreiben sollten. Wir hatten ja in der damaligen Zeit keine Uhr! Vormittags war es einfach! Um 11 Uhr läuteten jeden Tag die Kirchenglocken - das hieß endlich heimtreiben!
Schwierig war es am Nachmittag! Da half uns meist das Postauto. Da mussten wir schon sehr genau aufpassen! Immer wieder blickten wir sehnsüchtig in die Richtung, wo in ziemlich großer Entfernung das Postauto vorbeifuhr.

Beim Heimtreiben mussten wir ja irgendwie die Gloisnerleute verständigen, dass wir kamen. Auch dieses Problem wurde mit einfachen Mitteln gelöst. Wenn wir ganz oben waren und Rainbach und das Gloisnerhaus sehen konnten, also oberhalb vom Umbauer, begannen wir immer wieder laut zu juchizen (eine Art einfaches Jodeln).

Eigentlich gab es nie Probleme mit der Verständigung. Das Aus- und Heimtreiben verlief meist ohne Zwischenfälle, auch wenn einer allein die ganze Herde vor sich hertrieb. Für mich war es immer wieder verwunderlich, wie die Kühe jedes Mal den richtigen Weg nachhause fanden, gab es doch zwei Abzweigungen. Noch geheimnisvoller war, dass unsere „Lotte“ allein die Herde verließ und zu unserem Stall fand. Also kann man daraus schließen: die Rindviecher sind doch nicht so blöd!!

Manchmal versuchten wir uns als „Cowboy“ ohne Lasso. Da wir aber kein Pferd zum Reiten hatten, versuchten wir immer wieder unsere Reitkünste auf den Kühen auszuprobieren. Es war ein schwieriges Unterfangen. Schon das Aufsteigen war ohne Steigbügel fast unmöglich. Alle Anwesenden mussten mithelfen eine Person auf die Kuh zu verfrachten. Aber damit waren nicht alle Probleme gelöst. Da es nichts gab, um sich irgendwie fest zu halten, lagen wir nach einigen Schritten der Kuh schon wieder unten. Schlimm war es, wenn die Kuh mit einem plötzlichen Satz davon pirschte. Dann war der unfreiwillige Abgang ganz schön gefährlich. Aber wir ließen uns nicht entmutigen!

Ein geheimnisvoller Platz im Grottental war auch immer die Lehmgrube und das sumpfige Rundherum. Dort hielten wir uns zur Freude der Kühe auch oft auf. Manchmal nahmen wir ein kühles Halbbad im lehmigen braunen Gewässer oder wir beschäftigten uns mit den Fröschen und Kaulquappen.

Rainbach i. M.
1950-1959
Verfasser

Gottfried Payr (+2025), ehemaliger Lehrer im Marianum Freistadt,
aufgewachsen in Summerauer Straße 28, 4261 Rainbach im Mühlkreis

Info

Falls Sie zu diesem Thema Ergänzendes erzählen wollen oder Fotos zur Verfügung stellen können, dann teilen Sie uns dies bitte schriftlich oder per E-Mail mit. Wir sind gerne bereit Ihren Beitrag oder das/die Foto/s hier zu publizieren.

Jedwede Veröffentlichung dieses Artikels, auch auszugsweise, darf nur mit Erlaubnis des Autors (der Autorin) geschehen.
Bei Verwendung der Fotos ist zu bedenken, dass diese eventuell urheberrechtlich geschützt sind.