Kindheit - Schulzeit

Kindheit - Schulzeit.

Ich wurde am 1. April 1931 als zweites Kind meiner Eltern im schönen Grottenthal in Rainbach geboren. Es gab da nur zwei Häuser, wobei das unsere früher nur eine gemauerte Hütte war, die zum Haus Nr. 66 gehörte. Meine Großeltern kauften sie und als mein Großvater bald starb, musste sie mein Vater übernehmen. Es war ein kleines Häuschen mit zwei Zimmern und einer winzigen Kammer. Auch ein kleiner Stall und ein kleiner Holzschuppen waren dabei. An der Seite befand sich ein kleiner Garten, der meinem Bruder und mir als Spielplatz diente. Mit ganz bescheidenen Mitteln nähte meine Mutter aus Stoff zwei Tiere, gefüllt mit Sägespänen, sie sollten Pferde darstellen. Vater bastelte noch einen Pflug und eine Egge dazu. Ich musste die zwei Tiere ziehen und mein Bruder spielte Bauer. Ein paar Kartoffeln einlegen und dann gleich wieder eggen und Körner anbauen. So ging es oft einen halben Tag dahin. Ich hatte oft deswegen mit meinem Bruder Streit, weil mich das gar nicht interessierte. Mein Wunsch wäre ein Teddybär gewesen. Mein Bruder, der um zwei Jahre älter war, hat dem Christkind geschrieben: für mich einen Teddy. Wie es der Brauch war, sind wir am 24. Dezember zur Betstunde gegangen. Nachher stand ich beim Kaufhaus Greul, schaute in die Auslage und konnte es gar nicht fassen, dass der von mir so gewünschte Teddy noch immer in der Auslage stand. Ich bin sehr, sehr lange dort gestanden und habe gehofft, dass das Christkind noch kommt und den Teddy holt. Mein Warten war vergebens, meine Eltern kannten zwar meinen Wunsch, leider fehlte das Geld dazu.

Doch am 1. Oktober 1937 war für mich Schulbeginn. Unsere Frau Lehrerin in der ersten Klasse hieß Frau Kummer. Wir waren 52 Schüler und unsere Schule war, wo heute das Gemeindeamt ist. 1938 stand auf der Tafel, was unsere Eltern wählen müssen. Das mussten wir aufschreiben und unseren Eltern zeigen. Natürlich stand in einer bestimmten Spalte ein „Ja“, die sollten meine Eltern ankreuzen. In der zweiten Klasse hatten wir Oberlehrer Klopf, in der dritten, vierten und fünften Klasse da wurden wir im KlosterstöckI unterrichtet. In der dritten Klasse hatten wir Frau Lerch, in der vierten Herrn Pötscher, der jedoch dann einrücken musste und wir bekamen dann eine Frau Lehrerin mit dem Namen Enzenhofer. In der fünften Klasse hieß unser Lehrer Herr Haunschmied. An einen Ausflug in der fünften Klasse erinnere ich mich heute noch ganz genau.Wir gingen von Rainbach über Deutsch Hörschlag nach Oberhaid. Dann weiter nach Rosenberg, dort besichtigten wir das Schloss. Besonders gut habe ich mir das Zimmer gemerkt, wo das Bild von der weißen Frau hängt. (Als ich nach 60 Jahren wieder das Schloss betrat, wusste ich noch genau, in welchem Zimmer das Bild hängt.) Beim Zurückwandern machten wir in Oberhaid beim Brunnen am Marktplatz eine Rast und Lehrer Haunschmied hatte ein paar Säckchen Brausepulver mit, das er mit Wasser auffüllte und uns zu trinken gab. Um zirka 18 Uhr war unser langer Ausflug zu Ende.

1942 kam ich in die Klosterhauptschule nach Freistadt. Der Postbus brachte mich dorthin. Nur bei der Heimfahrt gab es oft Probleme. War der Chauffeur schlecht aufgelegt, ließ er uns Schüler einfach stehen und wir mussten zu Fuß nach Hause gehen. Und das war gar nicht so selten. In der Schule gab es nur lauter Lehrerinnen. Frau Kittel war mir die liebste und wenn sie mich rief, sagte sie immer: „Mädchen, ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite“. Ich besuchte drei Klassen der Hauptschule, wobei die dritte Klasse nicht mehr fertig gemacht wurde, denn wir mussten zum Beispiel mit der Lehrerin Kartoffel klauben oder zum Gänsecker arbeiten gehen. Bei Fliegeralarm mussten wir schnell in den Keller laufen. Auch am Hauptplatz, wo heute das Gericht ist, war ein Luftschutzkeller und wir mussten dort hinein.

Aufzeichnung von Notburga Panholzer (geb. Ruckendorfer), 4240 Freistadt, nach einem Gespräch am 13.9.2016 mit ihrer Schwester Barbara Wagner, geb. Ruckendorfer

Rainbach i. M.
1930-1939
Verfasser

Notburga Panholzer, geb. Ruckendorfer (geb.1949), 4240 Freistadt

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