Ehemalige Steige und vergessene Wege in und um Summerau – Teil 3

Ehemalige Steige und vergessene Wege in und um Summerau – Teil 3.

Wie im ersten Teil unserer Dokumentation über "ehemalige Steige und vergessene Wege in und um Summerau" erörtert, sind Dorfbewohner bis in die 1960er Jahre oft auf Steige und Wege ausgewichen. Beim Gang in die Kirche, zur Schule, in den Nachbarort oder zu Nachbarn im Dorf waren Steige da meist der kürzere Weg und vor allem in den Monaten mit Schlechtwetter weniger schmutzig und nicht so morastig, wie die damals noch nicht asphaltierten öffentlichen Straßen.

In unseren Beiträgen Teil 1 und Teil 2 wurde vom „Kirchensteig Bahnhof“, dem „Dorfsteig Unterort“, dem „Kodl Steig“, dem „Oberortsteig“ und vom „Weg Auerberg“ berichtet. Diese sind in unserer Auflistung die Steige Nummer eins bis fünf.

Hier, im Teil 3 stellen wir mit den Nummern sechs bis elf einige weitere Steige im Süden von Summerau vor.

Dazu zuerst jedoch alte, heute noch verwendete, Flurbezeichnungen:
Das „Grabi“ – ist die Senke des Reindlbaches südlich zwischen Dorf und den Eisenbahngeleisen Richtung Freistadt. Es beginnt im Westen bei der ehemaligen „Schwarzhansl Übersetz“ und endet im Osten beim Zusammenfluss des Reindlbaches mit dem Rainbach, der dann ab hier mit dem gemeinsamen Namen Jaunitz weiterführt. Die Südhänge des „Grabi“ sind im östlichen Teil durchwegs steil und oft karg.
Die „Bühin“ – ist der südlich der Eisenbahngeleise an das „Grabi“ anschließende Nordhang, der mit einem durchgängigen Wald bei den Grundstücken des Nachbarortes Freudenthal endet.
Die „Mitterbühin“ – ist der Bereich zwischen ehemaliger „Schwarzhansl Übersetz“ im Westen und ehemaligen „Fossenbaun Übersetz“ im Osten.
Das „Unterfeld“ – ist im Oberort der Südhang hinunter zum Rainbach, im Anschluss an das östliche „Grabi“.
Die „Alte Bahn“ – ist in Summerau der Begriff für Reste der Trasse der einstigen Pferdeeisenbahn, egal ob als Weg befestigt oder nur noch in der Landschaft ersichtlich.

Nr.6 - Der Steig hinter den Häusern im Unterort:
Dieser Verbindungsgehweg verlief südseitig hinter den Häusern im Unterort, oben am Hang des „Grabi“. Ausgangspunkt war hinter den zwei ehemaligen Wirtshäusern „Schigl“ (Oberort Nr.45) und Kapl (Unterort Nr.1). Vorbei an der Kapl-Kegelbahn, beim „Schneiderbaun“ unter der Wagenhütte und bei der Ulme zwischen „Hoiner“ und „Baiernaz“ ging es etwa 30 Meter südlich vom „Joseppn“ das Unterort hinunter bis zum Bauern „Hunger“ (Unterort Nr.27). Hier endete der Steig an der Straße nach Schwarzenbach und Reichenthal. Noch heute können sich vereinzelte Personen daran erinnern, dass dies der Steig in Summerau war, der wegen seiner Lage am Südhang immer als erster „aper“ und somit auch trocken war, aber den Nachteil hatte, dass er oft weit unterhalb der Häuser ging und man vor allem nach dem Kaplwirt den Einschnitt unterhalb vom „Maxlgütl“ (Unterort Nr.5) durchqueren musste. Doch so mancher Wirtshausbesucher war auch hin und wieder froh, auf seinem Weg zum oder vom Wirtshaus nicht gesehen zu werden. Von diesem Steig gibt es heute keine Spuren mehr.

Nr.7 - Der „Semmelbaun Steig“:
Ein Steig, der beim ehemaligen Dorfwirtshaus „Schigl“ (Oberort Nr.45) seinen Ausgangspunkt hatte. Es ging geradlinig das steile „Grabi“ hinunter zum Reindlbach. Den Bach überquert, hieß es schräg die steile Bahnböschung Richtung ehemaliger „Fossenbaun Übersetz“, beim einstigen „Lonsing-Wächterhaus“ (Nr.717), erklimmen und dann südlich der Bahngeleise auf der „Alten Bahn“ talwärts bis zum Bauernhof „Semmelbauer“ gehen. Der alte „Semmelbau“ war nebst Besitzer eines großen Bauernanwesens auch ein tüchtiger Geschäftsmann, der von den 1930er Jahren bis Mitte der 1960er Jahre auch Betonwaren wie Dachziegel, Betonüberleger, etc. erzeugte und damit durchaus zu den Wohlhabenden zu zählen war. Natürlich verbrachte er auch so manchen Abend in den Gasthäusern in Freistadt und Summerau – oft natürlich auch geschäftlich bedingt. In Summerau war er ein regelmäßiger und gerne gesehener Gast bei den Wirten. Er kam mehrmals die Woche zu Fuß den oben beschriebenen, und so nach ihm benannten Steig, nach Summerau und ging auch auf diesem dann spät abends wieder heim. Manchmal, wenn es gar zu spät wurde, „verzahlte“ er sich auch ein privates Taxi zur Heimfahrt. Einen Teil dieses „Semmelbaun Steig“ nutzten natürlich auch Dorfleute, wenn sie ins „Grabi“ zum „Freistadtsteig über Labach“, oder zu einem der „Steige nach Freudenthal“ gingen. Der Steig selbst wird heute nicht mehr genützt und sein Verlauf ist durch das „Grabi“ nur noch zu erahnen.

Nr.8 - Der „Koller Steig“:
Einer von den kurzen „Stichsteigen“ von den Häusern zu einem anderen Steig oder einer Straße. In diesem Fall der Haussteig des damaligen „Kollergutes“ hinunter zu den Gründen im „Unterfeld“. Nach seinem Beginn bei der Dorfstraße zwischen Fugger („Koller-Häusl“ - Oberort Nr.5) und Apfolter („ehemal. Kollergut“ - Oberort Nr.7) führte der Steig südwärts über die „Kollergründe“ bis zur Geländekante der Böschung zum „Sedlacek-Weg“ nach Labach. Hier dann, der Geländekante folgend, Richtung Westen bis das Niveau der Straße nach Labach erreicht war und dann auf dieser Straße hinunter bis auf die Wiesen und Felder im „Unterfeld“. Nebst Fußweg zur Feldarbeit ging man hier unter anderem auch zum Schifahren auf den „Glockerberg“ oder die „Stadler Leitn“ und der Pötscher Leo ging noch nach Freistadt ins Marianum, im Winter oft auf Holzschiern mit Lederriemen. Aber es war auch der Fußweg nach Freistadt zum Einkaufen, wenn etwas in Rainbach nicht erhältlich war, oder für den Apfolter Franz, der mit seinem Vater hier nach Freistadt für eine Heiratserlaubnis aufs Amt ging, da ihm noch einige Tage zur Großjährigkeit fehlten. Den „Koller Steig“ gibt es nicht mehr.

Nr.9 - Der Labacher Steig und Weg über „Sedlacek“:

Dies ist heute noch eine viel frequentierte, auch mit Fahrzeugen befahrbare, kurze Verbindung zwischen Summerau und Labach. Der Beginn in Summerau war jedoch einst, nicht wie heute zwischen den Häusern Oberort Nr.17 und Nr.21, sondern der Weg begann zwischen „Fossenbauer Häusl“ (Schimpl - Oberort Nr.27) und „Stadler Häusl“ (Pachinger - Oberort Nr.25a) an der Dorfstraße und als Steig sogar schräg vom „Fossenbaun“ (Oberort Nr.35) herüberlaufend. Südlich vom „Stadler Häusl“ bog er ab und mündete in den auch heute noch existierenden Verbindungsweg nach Labach. Dieser verläuft hinunter zum Rainbach, überquert diesen und über den Anstieg „Glockerberg“ erreicht man beim „Glockergut“ den Ort Labach.
Wollte man weiter nach Freistadt, ging es auf der Dorfstraße in Labach bis zum „Gloisner“ (Koller) und von dort zwischen Oberlabach und Sonnberg, St. Peter rechts liegen lassend, weiter in Richtung Freistadt. Auch diese Abkürzung nützten Schüler aus Summerau lange Zeit beim täglichen Marsch in die „Stadt“, in die Klosterschule oder ins Marianum.

Nr.10 - Der Freistadtsteig durchs Grabi über Labach:
Von Summerau nach Freistadt gingen die Oberortbewohner ausschließlich die direkte Verbindung nach Labach über den „Sedlacek-Berg“ zum „Glocker“ hinauf. Dorfbewohner aus dem Unterort oder aus Eibenstein nutzten aber oft den Steig über das „Grabi“. Ausgehend von der ehemaligen „Schwarzhansl Übersetz“, oder von einem Stichweg im Unterort kommend, ging man im „Grabi“ den Reindlbach entlang, vorbei an der „Fossenbaun Marter“, bis zum Zusammenfluss des Reindlbachs mit dem Rainbach. Hier wurde in einer heute noch existierenden Furt der Bach überquert und dann am Waldrand südwärts bis zum Labach gegangen. Diesem Bach folgte nun der Steig ein Stück auf der linken Seite im Wald hinauf Richtung Labach und überquerte nach kurzer Wegstrecke auf einer ebenfalls noch ersichtlichen Furt diesen. Danach führte der Weg rechts vom Labach, sich mehr und mehr von diesem in Richtung und Höhe entfernend, eher steil zum Ort Labach hinauf und trat nordwestlich vom ehemaligen „Leitnbaun“ (Kernecker) aus dem Wald heraus. Wollte man weiter nach Freistadt, so führte der Weg rechts hinauf zum “Brandl”, dann links am „Gruber Bühel“ (Wirt) vorbei, zum „Gloisner“ (Koller). Hier querte er die Strasse nach Sonnberg und ging zwischen Oberlabach und Sonnberg, auch St. Peter rechts liegen lassend, weiter in Richtung Freistadt, wo man oberhalb des Bockauwirts ankam. Dieser alte Steig nach Labach mit Anschluß nach Freistadt war ein öfffentlicher Weg, der auch mit Fuhrwerken befahren werden konnte. Er ist jedoch heute nur noch im “Grabi” und im Wald beim Labach andeutungsweise erkennbar. Erwähnenswert an diesem Steig ist vielleich noch der alte Brunnen bei der ehemaligen “Schwarzhansl Übersetz”, wo sich Dorfbewohner bei Trockenheit immer Wasser für die Tiere holten, das gotische Marterl aus 1811 im “Viereckl Bühel” und die beiden Wegfurten durch die Bäche.

Nr.11 – Die ehemalige Wegübersetz in die „Bühin“:

Bis zum Bau des Schienenstranges für die Dampfeisenbahn (um 1870) waren die heutigen „Überländgründe“ der Bauern in Summerau meist über durchgängige Hauswege erreichbar. Eine Ausnahme waren einige Gründe in der „Bühin“ und ihre Anbindung über das „Grabi“ südlich vom Ort. Der steile Anstieg der „Mitterbühin“ mit dem Damm der Pferdeeisenbahn erlaubte nicht überall durchgängige Hauswege. Vom Haus, durch das „Grabi“ kommende Fuhrwerke querten da die Pferdeeisenbahn entweder bei der „Fosssenbaun Übersetz“ oder fuhren den Reindlbach aufwärts bis zum „Viereckl Bühel“. Dort gab es eine Übersetz über den da noch kleinen Reindlbach. Auf der anderen Bachseite verlief ein schräg am Hang ansteigender Weg Richtung „Hoiner Bühel“. Hier wurde dann auch die einstige Pferdeeisenbahntrasse überquert und die Wege gingen südlich der Bahntrasse weiter in die „Bühin“. Da die Hauswege im „Grabi“ großteils sehr steil waren, fuhren diese Bauern mit den beladenen Fuhrwerken nicht über das steile „Grabi“ wieder zurück ins Dorf, sondern über die ehemalige „Schwarzhansl Übersetz“ und den „Schwarzhansl Weg“.
Dieser einstige Weg samt Bahnübersetz südlich des „Hoiner Bühel“ existiert nicht mehr und ist in der Landschaft auch nur noch Ansatzweise erkennbar.

Zum Schluss wieder das Ersuchen, uns Ergänzungen und Erzählungen zu den angeführten Steigen mitzuteilen, damit wir unsere Aufzeichnungen korrigieren und ergänzen können.

Verlauf und Beschreibung der Steige nach Gesprächen vom Verfasser mit Franz Apfolter, Fritz Glasner, Manfred Pelnarsch, Rudolf Traxler, Franz Fleischanderl sowie Stefanie und Johann Lonsing im Jahr 2020 sowie eigenen Erinnerungen.

Summerau
1950-1959
Fotos
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ehemal.-bahnubersetz-in-buhin-brucke-uber-reindlbach-bei-viereckl-buhel.jpg
ehemal. Bahnübersetz in Bühin - Brücke über Reindlbach bei Viereckl-Bühel
freistadtsteig-ubers-grabi-fossenbaun-marterl.jpg
Fossenbaun-Marterl am Freistadtsteig übers "Grabi" - Fotos und Wanderwegeintrag in die Landkarte: Ing. Johann Lonsing, Summerau Mitte 23, 4261 Rainbach i. M.
Verfasser

Ing. Johann Lonsing, Summerau Mitte 23, 4261 Rainbach i. M.

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