Der Zug mit KZ-ler bei minus 20 Grad

Der Zug mit KZ-ler bei minus 20 Grad.

Mit dem Vorrücken der Roten Armee und der Auflösung der Konzentrationslager im Osten
wurde Mauthausen ab Jänner 1945 zum Zielort von großen Evakuierungstransporten. (1)

In den Aufzeichnungen des ehemaligen Rainbacher Heimatforschers Leopold Pötscher findet man dazu folgendes: Im Februar des Jahres 1945 brachte ein Güterzug auf offenen Waggons, KZ-ler aus Buchenwald und Ausschwitz nach Mauthausen. Es hatte an diesem Tag minus 20 Grad. Erfrorene wurden längs der Strecke aus den Waggons geworfen. Ein Kommando des Reichsarbeitsdienstlager Rainbach hatte die aus dem Zug geworfenen, toten, nackten KZ-ler, deren Kleidung sich die noch Lebenden angeeignet hatten, entlang der Strecke Oberhaid – Summerau - Freistadt einzusammeln.

Der ehemalige Bürgermeister Josef Waldhauser war zu dieser Zeit Ausbildner im Reichsarbeitsdienstlager Rainbach. Es wurde ihm befohlen, mit einigen RAD-Männern die Beerdigung zu übernehmen.

Die erstarrten toten Körper waren am Friedhof vor der Kirchentür (freier Platz) aufgeschlichtet. Herr Waldhauser schildert dem Heimatforscher Leopold Pötscher dies: „Da schon mehrere Tage strenge Kälte um die minus 20 Grad herrschte, war der Boden am Friedhof hart gefroren. Der Rainbacher Totengräber und der Bauer Pauß, die mit der Rainbacher Volkssturmkompanie in Freistadt kaserniert waren, wurden zu Grabarbeiten nach Rainbach beordert. Da die Grabarbeiten der Umstände wegen nicht rasch genug voran gingen, sprengte Herr Waldhauser, der Sprengmeister war, den felsigen gefrorenen Untergrund. Der Pfarrer hatte vorher Bedenken angemeldet, denn er befürchtete die Beschädigung des Karners (heute Aufbahrungskapelle). Seine Angst war jedoch unbegründet.

Da die Beerdigung wegen der einfallenden Dunkelheit nicht mehr möglich war, wurden die Leichen im Karner aufgestapelt. Die ganze Angelegenheit war für die Jungmänner eine arge seelische Belastung und erregte Ekel, sodass sie das Abendessen verweigerten. Als am Abend Herr Waldhauser den Karner zusperren wollte, fiel ihm ein schlecht geschlichteter Leiberstoß nach und berührte seine Schulter. Er empfand das äußerst unangenehm.
Nachdem am nächsten Tag die Grube bereitstand, wurden die KZ-ler hier begraben.“

Bis 1968 wurde das Massengrab sorgsam gepflegt, bis in diesem Jahr die Gebeine auf einen anderen Friedhof umgebettet wurden.

Ein lebender KZ-ler wurde im Pferdestall des Gasthauses Maurerwirt eingesperrt. Herrn Pötscher berichtete davon ein Gewährsmann dies: „Gendarm Trautner hatte einen geflüchteten KZ-ler aufgegriffen und sperrte ihn bis zum Weitertransport unter Aufsicht eines Gendarmen, eben in diesen Pferdestall. Dem Bewacher wurde befohlen, dass niemand zu ihm gelassen werde, um ihm eventuell etwas zu essen zu geben. Anderer Ansicht war die alte Wirtin Frau Greul. Sie richtete eine Schüssel eingebrockter Suppe und trug sie am Bewacher vorbei zum Gefangenen. Als sie der junge Gendarm daran hindern wollte, soll sie gesagt haben: „Woas willst denn, Büberl, woas redst denn? Spür selber einmal Hunger!“ In Hochachtung erinnern wir uns der Wirtin, die ungeachtet der schrecklichen Folgen ihres Tuns, deren sie sich vielleicht nicht bewusst war, mitmenschlich gehandelt hat.

Quelle: (1) www.mauthausen-memorial.org/de

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"In Zeiten wie diesen, in denen sich gerade in der Welt so vieles verändert, bin ich der Meinung, dass man da an Zeiten erinnern muss, in denen es in unserer Gemeinde keine Meinungsfreiheiten mehr gab und die Demokratie durch eine Diktatur abgelöst worden war.
Die KZ-ler, von denen hier die Rede ist, waren Menschen, die nur verfolgt wurden, weil sie mit dem damaligen politischen System nicht einverstanden waren, weil sie behindert waren und weil sie Juden oder ihre Vorfahren Juden waren und nur deshalb so furchtbar unmenschlich mit ihnen umgegangen wurde.
Verteidigen wir in Zukunft durch unsere Äußerungen und unser Tun diese wertvollen Werte von Demokratie und freier Meinungsäußerung.“ (Helmut Knogler)

Gemeinde Rainbach
1940-1949
Verfasser

Aufzeichnungen und Erzählungen des ehemaligen Rainbacher Schuldirektor und Heimatforschers Leopold Pötscher, Birkengasse 5, 4261 Rainbach im Mühlkreis

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