Bauernhofbrand in Stadln

Bauernhofbrand in Stadln.

Großes Unglück traf meine Großeltern am Mittwoch, dem 29. Juni 1898, als der Bauernhof durch Feuer gänzlich vernichtet wurde. Großvater war an diesem Bauernfeiertag (Peter- und Paulstag) mit den drei erstgeborenen Kindern Anna, 6.5.1894, Maria, 22.8.1895 und Josef, * 15.3.1897, alleine zu Hause, denn seine Frau besuchte die nachmittägliche Segenandacht in Rainbach. Vielleicht auch deshalb, weil sie und ihr Gatte 2 Wochen vorher ihr viertgeborenes Kind Karl, der nur 3 Monate alt wurde, begraben mussten. Der Brand vernichtete das Haus und sämtliche landwirtschaftlichen Geräte. Auch 12 Stück Vieh fanden den Tod. Die Brandursache konnte nie festgestellt werden. Dieser Großbrand wurde auch im Linzer Volksblatt vom 2. Juli 1898 auf Seite 5 unter „Rainbach bei Freistadt“ und „Grünbach bei Freistadt“ wie folgt gemeldet: „Rainbach bei Freistadt, 29. Juni (Brand): Das Bauerngut des Josef Stöglehner, Stadeln wurde heute, 3 Uhr nachmittags, eine Beute des Feuers. Da der Besitzer allein zuhause war und auf die Rettung der noch kleinen Kinder bedacht sein mußte, giengen sämmtlicher Viehstand und Fahrnisse zugrunde. Die Feuerwehr von Rainbach griff alsbald rettend ein, und nach Ankunft der Feuerwehren der Umgebung konnte von der nahen Aist durch dreifache Wasserlieferung genugsam Wasser beigestellt werden, um den Brand in ein paar Stunden vollends zu löschen. Der herrschenden Windstille ist vorzugsweise die Rettung des nahestehenden Fürtingergutes zu danken. Mit besonderer Bravour betheiligte sich an den Rettungsarbeiten eine Abtheilung der Freistädter Garnison.“

OÖ. Landesarchiv Linz, Linzer Volksblatt vom 2. Juli 1898, S. 5: „In der Ferne hielt man dafür, der Brand sei in Rainbach und so fuhren sogar die Feuerwehren von Reichenthal, Leopoldschlag und Oberhaid an. Am Brandplatze waren in Thätigkeit: Lichtenau, Grünbach, Hörschlag bei Oberhaid, Windhaag, sowie aus der Gemeinde Rainbach die Ortsfeuerwehr Summerau, Zulissen und Kerschbaum. Böswillige Brandlegung wird gemuthmaßt“.

„Grünbach bei Freistadt, 30. Juni (Brand): Gestern, also am 29. dieses Monats, brach im Hause des Josef Stöglehner aus Stadeln Nr. 3 aus bisher unbekannter Ursache Feuer aus, welches das ganze Haus in kurzer Zeit einäscherte. Es giengen 12 Stück Vieh und sämtliche Fahrnisse zugrunde. Der Schaden ist groß und trifft den Verunglückten um so schwerer, da tags zuvor ein Hagelschlag über diese Ortschaft und Umgebung niederging, welcher großen Schaden anrichtete. Dem thatkräftigen Eingreifen der Feuerwehren Rainbach, Lichtenau, Kerschbaum, Freistadt, Summerau, Grünbach, Hörschlag und Windhaag, sowie dem k.k. Militär unter Führung des Herrn Oberlieutnant Tauber aus Freistadt ist es zu verdanken, daß das in nächster Nähe befindliche Haus des Josef Blöchl verschont blieb. Es sei hiermit allen, welche sich an dem Rettungswerk betheiligten, der herzliche Dank ausgesprochen“.

Zu dieser Zeit lebte die bäuerliche Bevölkerung, vor allem im Sommer, in ständiger Angst vor Blitzschlag und Feuer. Die Häuser auf dem Lande waren durchwegs mit Stroh oder Schindeln gedeckt und waren daher bei Blitzschlag oder sonstigem Feuer nur sehr selten zu retten, da die Feuerwehren nur schlecht ausgerüstet waren und zu den Brandstellen mit ihren Pferdegespannen nur sehr langsam vordringen konnten. Die Höfe waren auch noch nicht mit Blitzableitungen versehen. Die Bauern waren daher sehr darauf bedacht, stets einen über das Dach des Hofes hinausragenden Baum (meistens war es eine Lärche) in unmittelbarer Nähe des Hofes zu haben. Oft schlugen Blitze in diese hohen Bäume ein und retteten die Höfe vor Feuer. Große Gefahrenquellen bildeten damals auch die Kienbeleuchtungen in Stube und Stall. Der Umgang mit dem Kienfeuer musste sehr sorgfältig sein, um nicht Haus und Hof in Brand zu stecken. Das Kienholz war ein sehr harzreiches Holz von der Kiefer (Kien = Kiefer) und lieferte die für die Beleuchtung erforderlichen Kienspäne. Ein großes Problem stellte der beim Abbrennen der Späne entstandene Kienruß dar, der vor allem die Wohnstuben sehr verunreinigte bzw. schwärzte.

Quelle: Stöglehnerchronik Seite 158

Stadln
1898
Verfasser

Hans Stöglehner (geb.1939), Stadln 5
4261 Rainbach i. M. (gest.2021)

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