Bau und Verbesserung der Gemeindestrassen in den 60-er Jahren.
"Die Gemeinde baute in den 1950-er und 1960-er Jahren in Eigenregie die Gemeindestraßen und Güterwege in Kerschbaum, sowie nach Eibenstein, Labach und Zulissen.
Der Unterbau wurde in Granit ausgeführt, denn an Schotter war unter anderem wegen der hohen Transportkosten nicht zu denken.
Zur Steingewinnung erschloss man möglichst nahe der Straßenbaustelle Steinbrüche. Dort wurden mit dem Kompressor Löcher für das Sprengmaterial gebohrt und von der Steinwand herunter gesprengt. Dann kam der Bruch in einen durch einen Benzinmotor über einen Riemen angetriebenen Steinbrecher, der ebenfalls im Besitz der Gemeinde stand.
War das gesprengte Material zu groß für den Brecher, musste es entweder durch eine nochmalige Sprengung oder händisch mit Eisenkeilen und schweren Schlägeln zugerichtet werden.
Das Bruchmaterial verlud man auf Pferdewagen und transportierte es zur Baustelle. Dort mussten die größeren Steine händisch Stück an Stück eingeschlichtet und in die Zwischenräume kleineres Material mit Schlägeln eingeschlagen werden.
Darauf kam dann der Oberbau, der aus kleineren Steinen bis hin zu Steinschotter bestand, worauf dann etwa 10 cm Flinz als Verschleißschicht kam. Die zum Transport auf der Baustelle verwendeten, eigens konzipierten dreirädrigen Wägen die wie große Scheibtruhen (Ladevolumen zirka ein Kubikmeter) aussahen, wurden von einem Pferd gezogen. Sie waren eine geniale Erfindung, denn sie konnten vollbeladen händisch von zwei Männern zur Seite gekippt und so entladen werden. Die Wägen fanden
natürlich auch zum Materialtransport auf der Baustelle Verwendung, um das Gelände zu planieren.
Weil die Arbeiten mit den vier bis sechs Gemeindearbeitern unmöglich zu bewältigen waren und die Gemeinde selbst über keine Transportmöglichkeit verfügte, besann man sich eines uralten Systems, der Robot, der sogenannten Hand- und Zugdienste." (1)
So erfährt man etwas über den Bau der Gemeindestraße Summerau - Eibenstein im Laufzettel 3/1954:
„ Der Gemeindeausschuss hat in seiner Sitzung am 16.2.1954 einstimmig beschlossen, für den Ausbau der Gemeindestrasse Summerau - Eibenstein eine 75% Robot von der Grundsteuer "A" zur Vorschreibung zu bringen. Die Robot ist in der Zeit vom 3. März 1954 bis 31. Oktober 1954 durch Leistung zu erbringen oder aber nach dem 1. November 1954 durch Barleistung abzustatten. Die diesbezüglichen Bescheide werden noch im Monat April zugestellt".
Am Montag, den 22. März 1954 werden die Arbeiten der Schottererzeugung im Grottenthal begonnen und sollen diese Arbeiten durch Hand-Robot erbracht werden.
Wer aus den Ortschaften Rainbach, Stadln, Apfoltern, Vierzehn, Dreissgen, Sonnberg, Labach, Hörschlag und Kerschbaum gewillt ist, Hand-Robot zu leisten, wird eingeladen dies am Gemeindeamt bis spätestens Sonntag, den 21. März 1954 zu melden.
Die Schotterquetsche erfordert täglich 10 Arbeitskräfte und es ist unbedingt notwendig, dass vorher eine Anmeldung erfolgt, denn sonst kann es vorkommen, dass an einem Tag 30 Leute ihre Robot ableisten wollen, am nächsten Tage aber sich nur 5 Roboter einfinden.
Sollte sich aber bis am Sonntag niemand oder so eine geringe Anzahl zur Robotleistung melden, so wäre die Gemeinde gezwungen, an Stelle der Roboter Arbeitskräfte aufzunehmen. Es ist wohl selbstverständlich, dass in einem solchen Falle die Robot nicht mehr geleistet werden kann, sondern bezahlt werden muss.
Gleichzeitig wird auch bekanntgegeben, daß Zugrobot im heurigen Jahr keine zu erwarten ist. Der
Schätzwert für die Handdienste je männliche über 18 Jahre alte Person und Stunde wird mit Schilling 4,- je weibliche und Jugendliche unter 18 Jahre alte Person wird mit Schilling 3,50 angerechnet.
Die Arbeit wird um Punkt 7 Uhr früh begonnen und dauert vormittag bis 12 Uhr. Am Nachmittag beginnen sie um 13 Uhr und endet um 17 Uhr. Wenn es die Arbeitspartie wünscht, kann auch am Nachmittag bis 18 Uhr gearbeitet werden. Werkzeuge sind nicht mitzubringen.“
Im Laufzettel 10/1957 vom 23.4.1957 ist zu lesen, wo die Robotverpflichteten der
einzelnen Ortschaften ihre Robot abzuleisten hatten:
„Die durch den Gemeindeausschuß im heurigen Jahr bewilligte Robot ist bis 30. Juni 1957 abzuleisten: Zu diesem Zwecke ergeht an die Bevölkerung die Einladung, ihrer Robotverpflichtung wie folgt nachzukommen:
Die Ortschaft Kerschbaum hat bereits am 23. April 1957 die Arbeit auf der Kerschbaumer Gemeindestraße begonnen und ist in der Lage; dort ihre Robot abzuleisten.
Die Robotverpflichteten mögen sich bei Herrn Gemeinderat Josef Etzletorfer in Kerschbaum 13 zwecks Einteilung der Robot melden.
Die Robotververflichteten der Ortschaften Hörschlag, Zulissen und Stiftung erbrlngen ihre Robot auf der Zulisser Gemeindestraße vom sogenannten Purbühl bis zur Ortschaft Zulissen.
Die Robotverpflichteten der Ortschaften Eibenstein und Summerau Unterort können ihre Robot von der Bahnübersetz beim Froscherbaun bis zum sogenannten Purbühl ableisten.
Dies gilt auch für die Robotverpflichteten des Ortes Rainbach und der Ortschaft Stadln.
Damit die Einteilung der Roboter in wirtschaflicher Weise erfolgen kann, ergeht an die Robotverpflichteten des Ortes Rainbach und der Ortschaften Stadln und Hörschlag die Einladung bis spätestens Samstag, den 28. April 1957, bei der Gemeinde zu melden, an- welchem Tage und mit wieviel Personen bzw. Fuhrwerk die Robot erbracht werden will.
Die Robotverpflichteten der Ortschaften Zulissen und Stiftung melden diese bei Herrn Johann Floh in Zulissen 8.
Die Robotverpflichteten der Ortschaft Eibenstein bei Alois Preinfalk in Eibenstein 26 und die Robotverpflichteten in Summerau Unterort bei Herrn Bürgermeister-Stellvertreter Leopold Elmecker in Summerau 22.
Für die Ortschaft Summerau Unterort, Eibenstein, Ort Rainbach und Ortschaft Stadln, fängt die
Robotableistung am 29. April 1957 in Summerau auf der Zulisser Gemeindestraße an.
Es wird neuerlich in Erinnerung gebracht, daß 50% der Robot in Zug- und 50 % in Handrobot abgeleistet werden kann. Die Robotverpflichtung ist bis spätestens 30. Juni 1957 zu erfüllen. Nach diesem Zeitpunkt ist die Robotverpflichtung in Barem abzustatten.
Die Ableistung für die Ortschaften Hörschlag und Zulissen sowie der Ortschaft Stiftung wird vermutlich am 6. Mai 1957 beginnen. Der genaue Zeitpunkt wird bei der Anmeldung bekanntgegeben.“
An Stelle der Robotleistungen traten die später eingeführten Interessentenbeiträge, die
dann ein jeder Haus-, Hof- oder Grundbesitzer verhältnismäßig zu leisten hatte.
Fotos
Verfasser
(1) Alois Preinfalk, Freistadt
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