Josef Stumvoll - viele Jahre Organist und Chorleiter

Josef Stumvoll - viele Jahre Organist und Chorleiter.

Darüber gibt es eine Niederschrift, die er selbst verfasst hat und in der man auch viel über den Kirchenchor in der zweiten Hälfte der 1900er Jahre erfährt:

„In den Sommerferien 1952, ich war damals 12 Jahre, durfte ich durch Vermittlung des damaligen Kaplans Herrn Loidl von einer Klosterschwester in der Kapelle des Altenheimes in Rainbach den ersten Musikunterricht erfahren. Zum ersten Mal lernte ich Noten und auf dem Harmonium die Tasten zu betätigen. Alles war für mich neu.

Singen tat ich schon immer gerne. Aber plötzlich sollte ich Noten schreiben, Dreiklänge, Tonleitern, Kadenzen in allen Stufen. Das Spielen war für mich begeisternd. Aber die Ferienzeit war kurz. Einige leichte Lieder konnte ich bald spielen. Aber zu Beginn des neuen Schuljahres stand ich ohne Lehrer da. Eine Musikschule gab es ja damals noch nicht. Mein Vater kannte von früher den Organisten und Chorleiter Franz Klopf. Er war Lehrer und während des 2. Weltkrieges Direktor der Volksschule in Rainbach. Vaters anfängliche Ablehnung war durch dessen Mitgliedschaft bei der NSDAP begründet. Die damalige Lehrerin und Organistin Ludovika Kummer wurde außer Dienst gestellt, weil sie in der NS-Zeit die Orgel spielte. Nach einigem Bitten und Lebensmittelgaben gab er dem Ersuchen meines Vaters nach und lehrte mir das Orgelspiel in der Pfarrkirche so, dass ich die leichteren Messgesänge und Kirchenlieder, ja sogar leichte Präludien und Vorspiele beherrschte. So konnte ich in den 2 Jahren bis zur Beendigung meiner Schulpflicht 1954 bei einfachen Segensandachten und Messen die Orgel spielen. Natürlich spielte ich nur im Beisein von Frau Lehrerin Kummer. Sie wurde nach dem Krieg wieder als Volksschullehrerin angestellt. Von ihr wurde ich damals auch zum Singen im Kirchenchor geholt, bei Begräbnissen und Hochzeiten.

Damals war an Sonntagen um 14 Uhr eine Segenandacht. Da durfte ich Orgel spielen. In den Jahren 1955-1956 durfte ich auch an Sonntagen spielen, ab 1957 dann schon alleine, ohne Anweisung von Frau Kummer. Die Lieder an Sonntagen schlug entweder Frau Kummer oder der Kooperator vor.

Mit Kooperator Alois Kolmbauer wurde es anders. Er besprach mit mir die Lieder aus dem Gesangsbuch. Auch der Chor sang dann 4-stimmige Chöre, an Feiertagen lateinische leichte Messen. Mehrere Sänger waren wir, z.B. Stumbauer Anna, Birklbauer Alois, Freudenthaler Johann, Buchberger Karl, Buchberger Ottilie (Kirchmaier), die Brüder Leitner,

An Wochentagen spielte nach wie vor Frau Kummer in der Frühmesse. Pfarrer Kolmbauer ersuchte mich des öfteren auch an Wochentagen zu spielen. An Sonntagen spielte die Frühmesse meist Direktor Pötscher, die weiteren Messen dann ich. Begräbnisse spielte ich immer, weil Pötscher von der Schule vormittags nicht weggehen konnte. Ich musste dann zu Fuß von Freistadt nach Rainbach und zurück zur Stadtgemeinde, bei der ich arbeitete, gehen. Autostoppen war selten, obwohl Rainbacher, die bereits ein Auto besaßen, mich manchmal nicht mitnahmen. Die Arbeitszeit musste ich natürlich in Freistadt nacharbeiten. Kollegen waren oft nicht begeistert.

Pfarrer Sageder organisierte dann immer einen Abholdienst.

Die Sänger bei Begräbnissen bekamen von Frau Kummer drei Zuckerl, später unter Pfarrer Kolmbauer fünf Schilling, unter Provisor Renauer und später kein Geld mehr. Unter Pfarrer Anton Sageder wurde der Chor öfters bewirtet, nämlich zu Chorjausen eingeladen. Ausflüge wurden veranstaltet, die voll vom Pfarrer Sageder bezahlt wurden.

Vom Pfarrer Stellnberger wurde obligat eine Chorjause am Mittwoch nach Hl.Drei Könige abwechselnd in Gasthäusern der Gemeinde eingeführt.

In den Jahren 1956 - 1960 kamen junge Schüler zu mir zum Erlernen des Zieharmonikaspielens, mittwochs nach Dienstschluss.

Unter Kummer und Pötscher waren die Chorproben immer sonntags von 13 bis 14 Uhr. Dann begann die Segensandacht in der Pfarrkirche. Pötscher spielte an Feiertagen die Orgel und Kummer dirigierte. Einzelne Stimmen wurden nicht geprobt, auch wurde nur kurz vor Ostern und Weihnacht geprobt. Ab 1957 waren Chorproben im Pfarrhof. Ein ganz kleiner Raum rechts vom Haus-Eingang.
Als Kolmbauer nach Rainbach kam, übernahm er die Choreinstudierung. Ein Holzofen im Proberaum wurde im Winter von Frau Ruckendorfer beheizt. Zu Beginn um 20 Uhr wurde gemeinsam ein Gebet gesprochen. Den Text habe ich noch heute.

Um 1956-1957 probten wir des öfteren im sogenannten Kloster in der Küche mit Herrn Mittermeier. Er war Bahnhofvorstand in Summerau. Dabei durfte ich erstmals dirigieren.
Das Ave Maria von Bach-Gounot studierte ich mit Fräulein Wagner Rosina ein,a m Harmonium von mir begleitet. Einige sangen 2., 3. und 4. Stimme. In dieser ersten Chorzeit sangen wir zu Weihnachten Messen von Josef und Hermann Kronsteiner. Krippenmesse, Stille Nacht-Messe usw.
Mit Kolmbauer, Mittermeier, Denkmair, später Bayer sangen wir zu Nikolaus im Altenheim bei den Bewohnern in ihren Zimmern Krampus- und Nikolauslieder. Diese Noten sind leider nicht mehr auffindbar.

Ab 1959 sang ich bei der Chorgemeinschaft Männergesangsverein in Freistadt mit. Diese beflügelte mich, bessere Chöre auch in Rainbach zu singen. Durch diesen Verein durfte ich an einem Kurs für Chor-Einstudierung in der Stifter Herberge bei Aigen-Schlägl teilnehmen. „Ein Kirchlein steht mit alter Wehr“ ... !! Konzerte, Volkslieder, Volkstanz und auch die sorgfältige Einstudierung der Gesänge durch Hauptschullehrer Franz Tomschi begeisterte mich so, dass ich auch in Rainbach begann mit neuen Chören und Leute für den Chor suchte und auch das Orgelspiel forsierte.

1958 begann meine Zeit als Gemeindeangestellter in St. Oswald und dann in Freistadt zunächst im Krankenhaus der Gemeinde und dann 1959 direkt im Stadtgemeindeamt. Dadurch hatte ich wenig Zeit für den Chor in Rainbach. Hier half der VS Lehrer Kokus aus. Er spielte sehr einfach die Orgel und übernahm den Chor.

Auch er konnte wieder Chormitglieder gewinnen. Während dieser Zeit absolvierte ich meine Gemeindebeamten- und Standesbeamtenprüfung und begann für die Matura zu lernen.
Auch das Orgelspiel durfte ich bei Prof. Peer in Freistadt wesentlich verbessern und vor allem das Improvisieren sowie viele BACH Praeludien erlernen. Ja sogar die Vorbereitung für die Aufnahmsprüfung für das Bruckner Konservatorium abschließen. Fach: Kirchenmusik. Die Aufnahmsprüfung: Orgel: Pflicht aus den „Acht kleinen Praeludien“ von JS. Bach, Literatur aus dem Orgelbuch, mit Vorspiel, Gesang: Solo-Vorsingen.

Besonders in Erinnerung blieb mir von der Aufnahmeprüfung: Ein Mann spielte vor mir an der Orgel im Konservatorium in der Waltherstraße vor einer Kommission im großen Saal. Ich hörte zu und sagte nachher zu Prof. Winterberger, meinem späteren Lehrer im Konservatorium: „Ich kann schon heimgehen, so spiele ich nicht, dieser Mann spielt ja schon konzertant“ Seine Antwort: „Nein, nein, keine Angst, dieser ist ja schon lange fertig. Das war seine Abschlussprüfung.“ - Dieser Mann war der heutige Prof. Pater Balduin Sulzer.

Ich lernte 2 Jahre am Konservatorium Orgel, Klavier, Hamonielehre, Liturgie, Instrumentenkunde, Musikgeschichte und Gregorianik und Chorleitung bei Prof. Josef Kronsteiner. Zugleich nahm ich an Proben des Domchores teil und studierte insgesamt 5 Jahre Solo-Gesang „Bariton“ bei Prof. Sotzkov. Dies war alles in Linz, wöchentlich dreimal: Montag, Mittwoch von 18 – 22 Uhr und Samstags von 9 – 12 Uhr. Zu Hause übte ich an der Orgel abends oft bis 24 Uhr. Nach Linz fuhr ich meist mit meinem Moped, auch im Winter. Bei starker Kälte konnte ich in Linz bei meiner Schwester schlafen, da fuhr ich mit dem Postauto.“

Josef Stumvoll, der sich vorbildlichst für seine Tätigkeit als Organist und Chorleiter ausbildete, dabei viele Unannehmlichkeiten auf sich nahm und seine Freizeit opferte, war dann mehr als ein halbes Jahrhundert Organist und Chorleiter in der Pfarre Rainbach. Am 25.12.2011 legte er nach 52 Jahren die Chorleitertätigkeit zurück. Bei der Chorjause am 11.1.2012 im Gasthaus Blumauer wurde ihm für seine Arbeit als Chorleiter und Organist gedankt.

Gemeinde Rainbach
1950-1959
Fotos
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Josef Stumvoll in seinen jungen Jahren bei Spiel an der alten Orgel - Fotoleihgeber: Josef Stumvoll
Verfasser

Aus einer Niederschrift von Josef Stumvoll, die er Helmut Knogler zukommen ließ, welcher dann hier noch einen Zusatztext schrieb.

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