In der Kindheit Schi- und Schlittenfahren in Summerau

In der Kindheit Schi- und Schlittenfahren in Summerau.

Mein Vater, geboren 1926, erzählte immer, dass es im Winter viel mehr Schnee gab, aber für sie als Kinder nicht allzu viele Freizeitmöglichkeiten im Freien. Neben üblichen Schneeballschlachten und dem Schneeburgbau waren Abfahrten mit Schlitten und Schiern ihr liebster Zeitvertreib.
Am Hof gab es ja einen Ziehschlitten, eine kleine Kinderrodel und ein oder zwei Paar Schier. Alles von seinem Vater in den ruhigeren Wintermonaten selbst angefertigt. Die Schier wurden dabei aus Eschenholz grob herausgehackt, mit dem „Roafmesser“ zugerichtet und unter Wasserdampf gebogen. Mit aufgeschraubten Lederriemen, als Befestigung für die Schuhe, waren das die Schier von damals. Diese gab es auch in der Dorfwagnerei zu kaufen.

Das „Grabi“, der Südhang direkt hinter den Häusern beginnend, war ihr meist besuchtes Wintersportgebiet. Fahrten mit den Schiern gingen hier meist relativ geradlinig den Hang hinunter und endeten unten vom Tiefschnee abgebremst. Waren dann mehrere Spuren gezogen, hat man versucht Kurven zu fahren und unten abzuschwingen. Natürlich wurde der gleiche Hang auch mit Schlitten hinuntergefahren. Aber am meisten Spaß machten Abfahrten mit dem großen Ziehschlitten, auf dem mehrere Kinder Platz hatten.

Da es noch keine Schihosen gab, wurden zu diesen Schneevergnügen lange „Stutzen“ über die normale Hose hochgezogen. So konnte kein Schnee in die Hosenfüße kommen.
Wenn dann im Frühling der Schnee zu „picken“ begann, präparierten sie die Schier mit einer Art Pech oder mit Wachs – dann „liefen“ sie wieder.

Franz Apfolter erinnerte sich, dass um 1950 noch immer das Schuhwerk nur mit Lederriemen auf die Schier geschnallt wurde. Bei ihm Lederschuhe mit einer Holzsohle, genannt Holzbundschuhe.
Schistöcke waren Haselnussstecken, die wegen des losen Schnees auf den Abfahrten sehr große Schneeteller hatten. Gemacht aus einem Gertenring und mit Lederstreifen am Stock befestigt. Schier waren in der Zeit nicht nur Sportgeräte, sondern im Winter auch Gehilfe für den verschneiten Weg zur Schule, in die Kirche, oder zur Bahn. Sein älterer Bruder ging noch mit den Schiern von Summerau nach Freistadt zur Schule.

Aus den 1950er und 60er Jahren erzählte Manfred Pelnarsch, dass für sie im Oberort der „Auer Berg“ das Schigebiet schlecht hin war. Auf beiden Seiten des Weges, hinunter in die Kranklau, gab es Abfahrten für Schier und Schlitten. Links sogar eine kleine Sprungschanze. Das große Hallo waren auch hier die Abfahrten, wenn mehrere Ziehschlitten oder Schlitten zu „Zügen“ zusammengehängt wurden. Dabei fixierten die auf dem Bauch liegenden Fahrer das jeweils nächste Gefährt mit ihren Beinen. Da gab es öfter blaue Flecken und auch kaputtes Gerät. Für ihn waren damals Schier noch teuer und wertvoll. So ließ er zum Beispiel einmal eine abgebrochene Schispitze bei seinem Nachbarn mit einem Rundumblechdoppler wieder befestigen.

In dieser Zeit hatte sich auch die Firma Maier in Kerschbaum auf die Anfertigung von Schiern und Rodeln spezialisiert. Deren schwarz lackierte „Sturmwind-Schier“ waren sehr begehrt (Hier erfährt man Genaueres darüber).

Ich erinnere mich, dass in den 1960er Jahren die meisten Schier noch immer aus Holz waren, aber kein Eigenbau mehr. Dafür hatten alle einen Lackanstrich und richtige Bindungen. Einige wenige sogar schon mit einer Klapp-Sicherheitsbindung und Stahlkanten. War der Lack auf den Laufflächen abgenützt, so hieß es wachsen. Dazu hat man Kerzenwachs oder das allseits bekannte schwarze „Hofer-Blitz-Wachs“ als Belagersatz dick auf die Lauffläche aufgetragen und mit einem alten Bügeleisen aufgebügelt. Die Stahlkanten auf Schiern gewannen nun schnell an Bedeutung.

Bis jetzt war ja groß teils im Tiefschnee oder auf vorhandenen Spuren abgefahren worden und Kurvenfahren passierte da meist durch umsteigen. Nun aber wurden vermehrt Pisten durch geplantes quer Hinauftreten der Schifahrer verdichtet. Da konnten jetzt echte Schwünge gezogen werden und bald waren auf diesen Pisten auch Haselnussstangen für Torläufe ausgesteckt.
Einer, der in Summerau viel Zeit und Mühe investierte, Schiläufer für dieses Pistentreten und das Schwüngefahren zu motivieren, war Johann Wagner Senior.

Schuhwerk waren jetzt spezielle, etwas höhere und feste Lederschuhe. Die hatten vorne eine eckige Sohle für die Bindungsvorderbacken. Mit diesen Schuhen ging mancher auch zur Schule. Dazu wurden die langen Schuhbänder gerne gegen rote Dichtgummiringe von Rex-Einmachgläsern ersetzt. Die machten den Schuh zum Gehen weicher und mussten nicht geknotet werden.

Schier waren noch teuer und wurden gebraucht in der Familie oder im Verwandtenkreis weitergegeben, oft auch wieder verschenkt. Siehe dazu Bild 2 in der Anlage: Da bekam ich 1962, mit acht Jahren, meine ersten richtig schönen Schier, gebraucht und etwas zu lang, von meinem Cousin. Aber vom Vater toll überholt und sogar mit Klappsicherheitsbindung.

In diese Zeit fällt in Summerau auch das erste Schirennen mit richtiger Zeitnehmung. Bei einem Rennen am „Stamfest Berg“ hat damals Helmut Knogler auf eine Viertelsekunde genau gestoppt!

Ulrich Kralik erinnert sich nicht so gerne an die Rodelbahn in der „Bühin“. Von der Olympiade im Jahr 1964 inspiriert, gab es von 1964 bis 1968 im „Fossenbaun Wald“ eine richtige, teilweise vereiste Rodelbahn mit einer Steilwandkurve. 1968 ereignete sich dann in der Kurve ein Unfall mit Beinbruch. Da die Rettung wegen des Schnees nicht bis zur Unfallstelle vorfahren konnte, wurde der Verletzte auf zwei Schlitten zu einem etwa einen Kilometer entfernten Bahnwächterhaus transportiert. Nach diesem "Missgeschick" wurde die Rodelbahn eingestellt.

Ich kann mich noch erinnern, dass es Ende der 1960er und in den 1970er Jahre bei uns immer mehr Schier mit geschraubten Stahlkanten und dann auch mit Laufflächenbelag gab. Und es tauchten auch die ersten „Latten“ aus Alu-Verbundmaterialien auf. Alle hatten jetzt Sicherheitsbindungen, vermehrt auch mit Fersenautomatik. Zur Sicherung der Schier gab es Lederfangriemen, oft so lang, dass sie mehrmals um den Schuhschaft gewickelt werden mussten. Die Stöcke waren nicht mehr Haselnuss oder Bambus, sondern zunehmend aus Aluminium. Und die Lederschischuhe wurden noch höher, mit einer Innenschnürung und außen mit Verschlussschnallen.

In dieser Zeit bekam ich zu Weihnachten von meinem Cousin aus Eibenstein gebrauchte Rennschier: schwarz, mit grellgelbem Belag und sogar mit Fersenautomatik. Was war ich da stolz. Anfang der 70er Jahre wandelte sich auch das bis jetzt aktuelle Schioutfit von mehr oder minder enger Keilhose, selbst gestricktem Schipullover mit Schwedenmuster und Fäustlingen zu ein- oder zweiteiligen Schianzügen und Lederhandschuhen. Natürlich hatte man jetzt auch Schibrillen, Spezialwachssorten für alle Schneeverhältnisse und die jetzt schmalen Stahlkanten waren nicht mehr sichtbar verschraubt.

In den Folgejahren gewann Schilanglauf massiv an Bedeutung. Aber auch Reifen- und Sackrutschen, Snowboarden und verschiedene Pistenbobs waren sehr beliebt.

Erste Besuche von Schigebieten mit präparierten Pisten und Liftanlagen brachten diese Idee auch zu uns. Und so war dann auch in Summerau. 15 Jahre war ein Schlepplift zum Schifahren in der Umgebung des Ortes in Betrieb (Link zum Beitrag „Von 1973 bis 1987 gab es in Summerau einen Schilift“). Jedes Jahr mit Liftbetrieb wurden dort auch die Rennen der „Summerauer Olympiade“ gefahren: Riesentorlauf oder Riesentorlauf und Parallelslalom.

In und um Summerau gab es 17 benamte Pisten für Schi- und Schlittensport. (Beitrag dazu „Ehemalige Pisten in Summerau zum Schi- und Schlittenfahren “ erscheint hier auf dieser Homepage am 1. März 2026).

Mit Ausnahme einiger weniger Übungshänge für Anfänger und Kleinkinder werden heute diese Pisten nicht mehr genutzt. Klimawandel, Wohlstand und ein anderer Zeitgeist führen heute in große, moderne Schigebiete mit tollen Pisten und Liften.

Niedergeschrieben nach Interviews mit oben genannten Personen und eigenen Erinnerungen.

Summerau
1950-1959
Fotos
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Winterspaß am Geierhügel westlich vom Leitgeb-Schneider-Haus (1955) - stehend von links Hermann Matuschek, Helmut Hofer, Pepi Matuschek, Gitti Presenz, Mitzi Sulzer?, davor Angela Rudlstorfer, auf den Schlitten sitzend von links: Lotte und Helmut Elmecker, Erich und Manfred Kralik, Manfred Sulzer und dahinter stehend Rosi Goldmann, Elfi Leutgeb, Fritz Lenczuk Bildleihgeberin: Angela Vazulik, Linz
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Neue, übertragene Schier - Weihnachten 1962 Bildleihgeberin: Stefanie Lonsing, Summerau Unterort, 4261 Rainbach
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Tischler Berg - links auf dem Schlitten vorne Franz Pühringer ("Üg"), hinten Johann Piringer ("Gloisner), Schifahrer: Gottfried Pühringer ("Üg"), auf dem Schlitten rechts vorne: Karl Keschbaummayr mit Schwester Rosi (hinten) - Bildleihgeber: Karl Kerschbaummayr, Summerau Unterort 44
Verfasser

Ing. Johann Lonsing,
Summerau Mitte 23, 4261 Rainbach i. M.

Info

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