Fußballspielen in Summerau

Fußballspielen in Summerau.

Bereits Anfang der 1950er-Jahre wird in Summerau nachweislich Fussball gespielt - Mangels eines Fußballplatzes im Ort jedoch noch auf verschiedensten Behelfsflächen. Einer dieser Treffpunkte für diesen Ballsport ist da die „Scherb-Wiese“ nahe der „Scherb-Bahnübersetz“ (siehen Bild 1). Zwar ist die Wiese tiefgründig, aber in der trockenen Jahreszeit, wenn sie abgeerntet ist, wird sie gerne von der Dorfjugend besucht. Durch die Abgelegenheit nahe beim Pirauwald kann hier ungestört gekickt werden und besonders Mutige fahren immer wieder bis zu dieser Wiese auf den Waggontrittbrettern von tschechischen Lastenzügen mit, die aus dem Bahnhof Summerau ausfahren.
Aber Summerau hat damals schon eine richtige Eisenbahner-Fußballmannschaft (siehe Bild 2). Die trainiert auf dem Bahnhofsgelände bei den Holzwohnbaracken und spielt nebst der „Eisenbahner-Meisterschaft“ unter anderem auch gegen Ortsauswahlen wie der aus Reichenthal.
Ältere erinnern sich noch, dass ebenfalls in den 1950er Jahren beim „Röbl“ (Kerschbaummayr, Unterort Nr. 22) im Garten hinter dem Haus und hinterm Kranzl (Oberort Nr. 8) Fußball gespielt wird.

Der wirtschaftliche Aufschwung der 60er-Jahre geht dann auch mit dem Wunsch nach sportlicher Freizeitbeschäftigung einher. Jetzt wird in Summerau vermehrt in Hausgärten Fußball gespielt. Unter anderem am Bahnhof auf der Wiese südlich der Eisenbahner-Wohnbaracke Nr.2 sowie im Dorf hinterm „Haberl“ (heute Wiesinger, Unterort Nr. 25), neben „Hunger Hans“ (Blöchl Sand Nr. 13), im „Schneiderbauer Garten“ (Glasner, Unterort Nr. 7) und gegenüber Haiböck (heute Pölz, Siedlung Nr. 28).
Da in dieser Zeit im Sommer Fußball noch immer die einzig mögliche sportliche Freizeitbeschäftigung in Summerau ist und in der Gemeinde Rainbach kein richtiger Platz dafür zur Verfügung steht, gründet sich in Summerau auf Initiative von unter anderem den Personen Ignaz und Franz Kralik, Bartholomäus Gilg, Willi Kralik, Sepp Zemann, ………….. eine Interessensgemeinschaft mit der Überlegung einen Fußballclub zu gründen und einen richtigen Fußballplatz zu bauen. Als Grundstück bietet sich eine Wiese in Summerau beim „Ziegelofen“ an (siehe Bild 1). Der „Ziegelofengrund gehörte einst zum “Pötscher/Koller-Haus“ (Apfolter, Oberort Nr.7), dann vom Bauer „Kohlberger“ erworben (einst Summerau Nr. 97 – in 1980er abgetragen), wurde der Grund dann von der Gemeinde Rainbach für die 1947 errichtete Ziegelerzeugung „Ziegelofen“ angekauft und nach deren Schließung 1953 an einen Landwirt verpachtet. Daher der auch heute noch gebräuliche Name „beim Ziegelofen“ für dieses Gebiet in Summerau.

1967 wird dann jedoch von der neu gegründeten DSG-Union-Rainbach vor Kerschbaum ein erster Fußballplatz errichtet und auch Summerauer spielen bei diesem jungen Verein in der Mannschaft.

Beim „Ziegelofen“ wird trotzdem mit dem geplanten Bau des Fußballplatzes auf diesem, von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellten Grundstück begonnen. Jetzt jedoch in etwas minimierter Ausführung. Und eine Sammlung im Ort erbringt die unbedingt notwendigen finanziellen Mittel für das Bauvorhaben.
Beim Ackern und Eggen des Geländes durch den „Schneiderbauer“ kommen massenweise Steine und Ziegelbruch vom seinerzeitigen Ziegelwerk zum Vorschein. Diese werden von fußballbegeisterten jungen und älteren Summerauern händisch „abgeklaubt“ und mit Schiebetruhen abtransportiert. Danach wird der Platz mit Handrechen eingeebnet und Grassamen angebaut.
Im Herbst 1968 gibt es nach dem Abernten dann das so ersehnte Eröffnungsspiel der Summerauer untereinander auf dem neuen Fußballplatz beim „Ziegelofen“. – Noch mit nur einem provisorischen Holztor ohne Netz, ohne Markierungslinien und ohne Kornerstangen.
Im Winter 1968/69 fertigen dann Wagenmeister des Bahnhofs Summerau aus Rohren zwei richtige Fußballtore an, die im Frühjahr an den Stirnseiten des etwa 40m x 70m großen Spielfeldes in Beton verankert werden. Da es beim „Ziegelofen“ keinen Stromanschluss gibt, muss der Beton händisch abgemischt werden. Dazu fahren Helfer den Schotter und Zement mit Schiebetruhen vom Bahnhof heran. Haiböck Josef organisiert dann noch bei seinem Spielverein in Reichenthal zwei gebrauchte, ausgemusterte Netze für die Tore und Summerau hat den ersten richtigen Fußballplatz.
Die Platzpflege (mähen/abernten) erfolgt vom Vorpächter, wobei öfter erforderliches zusätzliches Mähen sowie das „Ausmähen“ von schwer zugängliche Stellen unter anderem von Fritz Glasner und Josef Haiböck durchgeführt wird.

Der „Fußballplatz beim Ziegelofen“ ist in Summerau ein willkommenes Freizeitangebot und er wird bis Ende der 1970er-Jahre oft täglich bespielt (Bild 3). Aber nebst dem üblichen Fußballspiel werden hier unter anderem auch jahrelang das „Summerauer Fußballderby Oberort gegen Unterort“, diverse Fußballweitschiessbewerbe und ein Feuerwehrbewerb veranstaltet.
Inzwischen hat in dieser Zeit die DSG-Union-Rainbach eine moderne Sportanlage mit zwei Fußballplätzen mitten im Ort Rainbach und viele Spieler aus Summerau sind bei diesem Verein und sind ein wichtiger Bestandteil der verschiedenen Kampfmannschaften.
Aber für die „abendliche Kickerei“ und den Freizeitfußball der Jungen haben sich wieder neue Kleinspielfelder mit einem Tor nahe an den Wohnsiedlungen in Summerau etabliert. Wie damals hinter dem Kalupar (Oberort Nr. 2), oder beim Kohlberger, direkt neben dem einstigen Wächterhaus Nr. 719 an der Zulisserstraße.

Der Platz beim „Ziegelofen“ ist heute wieder rückgebaut, ist Standort für die Photovoltaik-Stromerzeugungsanlage der Gemeinde für das dahinter liegende Wasserpumpwerk und wird wieder landwirtschaftlich bewirtschaftet. Außerdem wird er noch manchmal für Feuerwehrübungen, das winterliche Ablagern von Langholz und ähnliches genutzt.

Und 2019 ist Fußballspielen in Summerau mit Tennis noch immer der beliebteste Freizeitsport.

Niedergeschrieben 2019 vom Autor nach Gesprächen mit den Franz Apfolter, Josef Haiböck, Gottfried Kalupar, Fritz Glasner- alle wohnhaft in Summerau.

Summerau
1950-1959
Fotos
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Bild 1
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Bild 2 (Fotoarchiv Heimatverein Rainbach)
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Bild 3 (Fotoarchiv Heimatverein Rainbach) - Fußballspieler von links nach rechts - hinten: Hubert Lonsing, Herbert Blöchl, Willi Reitstätter, Hubert Kapl, Herbert Elmecker; vorne: Helmut Pröll, Josef Kralik, Ernst Kapl
Verfasser

Johann Lonsing, 4261 Rainbach, Summerau Mitte 23

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