Elektromotor im Bauernhof "Resch"

Elektromotor im Bauernhof "Resch".

"Wir haben 1930 einen Elektromotor bekommen. Das war etwas Besonderes, denn damit wurde der Antrieb von Maschinen viel einfacher.

Die Futterschneidmaschine wurde damit angetrieben. Man musste nicht viel umbauen. Es kam nur eine größer Riemenscheibe hinauf. Es war die selbe Maschine, die vorher mit dem Göppel angetrieben wurde. Der Hafer wurde im Winter zum Teil mit der eigenen "Stefftenmaschine" gedroschen. Diese und die Brechmühle, die am Dachboden stand, wurde auch jetzt mit diesem Elektromotor angetrieben. Dann während des Krieges kauften wir eine Tischkreissäge, für die wir auch diesen Motor verwendeten. Der Motor war auf einem Gestell, das man zu zweit wie eine Sänfte tragen konnte. Außer dem Motor war auf dem Gestell auch eine Schalttafel mit Sicherungen und zwei Schaltern. Einer war zum Ein- und Ausschalten. Damit konnte man auch die Laufrichtung einstellen. Bei einem zweiten Schalter war die Geschwindigkeit des Motors zu regeln. Sein Standplatz war am Dachboden. Zum Futterschneiden musste er wieder durch eine Tür in der Feuermauer in den anderen Teil des Dachbodens gebracht werden. Räder am Gestell erleichterten den Transport. Die Stelle, wo er genau stehen musste, war mit einem genageltem Kreuz genau markiert. Er wurde dann aber wieder auf den anderen Teil des Dachbodens gebracht, weil der Vater der Meinung war, dass er hier besser vor einem eventuellen Feuer geschützt war. Zum Dreschen musste er vom Dachboden über die Stiege herunter getragen werden. Das war schon eine schwerere Arbeit. Da musste der Onkel mithelfen, der bei uns mit seiner Familie in der Wohnung war. Der Motor wurde bis Mitte der 60er Jahre verwendet. In der letzten Zeit hat er nur mehr die Brechmühle angetrieben. Diese stand in der Futterküche, wo es sehr feucht war. Das tat dem Motor nicht gut und das war sein Ende." (1)

(1) Ausschnitt aus einem Gespräch mit Johann Stumbauer (geb. 1929), Summerauer Str. 30, bearbeitet und zusammengestellt vom Artikelautor

Im Heimatbuch vom ehemaligen Pfarrer Sageder kann man lesen: "Mit Hilfe einer kleinen Turbine, die vom Wasser der Feldaist bei der Bruckmühle gespeist wurde, machte man 1920 den ersten Versuch, elektrischen Strom für die Beleuchtung zu erzeugen. Kirche, Pfarrhof und Mesnerhaus waren unter anderem bevorzugte Objekte, die in den Genuss der fortschrittlichen einrichtung kommen sollten.
Pfarrer Ennsgraber bemerkt zu diesem Fortschritt: "Der elektrische Strom wurde wohl eingeleitet, aber der Strom vom kleinen Werk war zu schwach. Das Licht war miserabel."
Zu Weihnachten 1923 erstrahlte jedoch die Kirche in hellem Licht. Die Lichtgenossenschaft Rainbach unter dem rührigen Obmann Alois Traxler vollzog den Anschluss an die Stromleitung der "Linzer Tramway-Gesellschaft."

Im Bauernhaus Stumbauer (Reschn) gibt es noch eine Rechnung aus dem Februar 1930, auf der alle Kosten des Stromanschlusses und der Hausinstallationen aufgelistet sind.

Im Jahre 1933 war die Stromleitung von Rainbach zum Summerauer Bahnhofsbereich und der dortige Transformator fertig. Nun bekamen das Stionsgebäude und die drei Wohn- und die eine Kasernbaracke (Unterkunft für Zugspersonal zum Übernachten) das elektrische Licht. Bis dahin wurden in den Gebäuden Petroleum- und im Freien Azätylenlampen verwendet.
Die anderen Häuser von Summerau und die der anderen Gemeindeorte wurden erst Anfang der 1950er Jahre an das Stromnetz angeschlossen.

Hier findet man weitere Erzählung zum Thema "Strom" in unseren Ortschaften
Als Apfoltern an das Stromnetz angeschlossen wurde
Als Labach an das Stromnetz angeschlossen wurde
Als nach Kerschbaum die Stromleitung gebaut wurde

Fotos
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Der Motor war auf einem Gestell, das man zu zweit wie eine Sänfte tragen konnte.
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Außer dem Motor war auf dem Gestell auch eine Schalttafel mit Sicherungen und zwei Schaltern. Der linke war zum Ein- und Ausschalten. Damit konnte man auch die Laufrichtung einstellen. Beim rechten Schalter war die Geschwindigkeit des Motors zu regeln.
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Rechnung vom Ankauf des Motors - Fotograf aller drei Fotos: Helmut Knogler, Labacher Str. 9, 4261 Rainbach i. M.
Verfasser

Helmut Knogler (geb. 1949), Labacher Straße 9,
4261 Rainbach i.M.

Info

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