Mutige Tat eines Stellwerkwärters

Mutige Tat eines Stellwerkwärters.

Mehr als nur Geistesgegenwart bewies im Spätherbst der 34jährige Stellwerkswärter Josef Kralik aus Eibenstein (Gemeinde Rainbach bei Freistadt). Er riskierte sein Leben, um im Bahnhof Summerau ein Zugsunglück zu verhindern, das katastrophale Ausmaße gehabt hätte.

Von der Tat des Bundesbahners erfuhr man allerdings erst dieser Tage, nachdem der Präsident der Bundesbahndirektion Linz im Nachrichtenblatt der Bahn Josef Kralik - einem Vater von zwei Kindern im Alter von sieben und vier Jahren - Dank und Anerkennung ausgesprochen und eine geldliche Belohnung zuerkannt hatte. Kralik wird vermutlich noch eine Auszeichnung der Generaldirektion erhalten.

Fahrplanmäßig hatte an einem Dienstag der mit Arbeitspendlern besetzte Personenzug 3811 um 3.35 Uhr den Bahnhof Summerau in Richtung Freistadt - Linz verlassen. Sofort nach der Ausfahrt ging das Rangieren eines Güterzuges weiter. Dabei geschah es, daß fünf Waggons mit zu großer Wucht gegen weitere sechs prallten, der Hemmschuh fiel vom Gleis und die sechs Güterwaggons setzten sich in Bewegung. Josef Kralik, der viele Jahre als Verschieber gearbeitet hatte, erkannte die Gefahr und wußte, daß die Waggons im Hinblick auf das Gefälle von zwölf Promille, das erst nach 48 Kilometern in St. Georgen an der Gusen aufhört, immer schneller würden. Da war aber auch der eben erst abgefahrene Personenzug, den die Waggons unweigerlich spätestens am Bahnhof Freistadt rammen mußten.

Kralik besann sich nicht lange, eilte aus dem Stellwerk und schwang sich auf eine der bereits mit beachtlicher Geschwindigkeit talwärts rollenden Waggons. Es gelang ihm, die Handbremse anzuziehen. Aber auch die anderen fünf Waggons hatten sich in Bewegung gesetzt. Kralik riskierte sein Leben, als er ab- und auf die nachfolgende Garnitur aufsprang. Einige Minuten später bremsten auch diese fünf Waggons und die beiden Wagengruppen blieben nach einem Kilometer auf freier Strecke stehen. Die Fahrgäste des Personenzuges hatten keine Ahnung, daß ein beherzter Mann einen schweren Unfall verhinderte.

Bezeichnend für den Stellwerkswärter ist, daß er von seinm kühnen Unterfangen kein Aufhebns machte, so daß der Fall nur im Dienstbricht aufschien, bis die belobende Anerkennung öffentlich ausgesprochen wurde. -fb-

Mehrere interessante Artikel über die Summerauer Bahn, den Bahnhof Summerau und seine Bediensteten findet man im Online-Gemeindearchiv unter "1 Bhf Summerau, Zeitungsberichte Chronik".

Unter Leitung von Konsulent Hans Pammer haben fünf heimatgeschichtlich interessierte Personen im Jahr 2012 die Bestände des Rainbacher Gemeindearchives durchforstet und Sachen, die für die Nachwelt interessant sind, in Schachteln und Ordnern abgelegt und dazu ein Inhaltsverzeichnis erstellt.
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