Ostern früher als Ministrant erlebt.
Das Osterfest wurde, soweit ich mich erinnere, ziemlich einfach gefeiert. In der Karwoche gingen wir (mein Bruder Rudi und ich) jeden Tag in die Kirche. Natürlich waren wir beide Ministranten. Ich weiß nicht genau, wann wir angefangen haben. Gut erinnere ich mich an das Lernen der lateinischen Gebete. Das war nicht einfach, weil wir sie auch gar nicht verstanden. Besonders schwer waren das lange Confiteor und das Suscipiat.
Bei einer Messe hatte man zu unserer Zeit viel mehr zu tun. Eine heikle Aufgabe davon war das Tragen des schweren Messbuches von einer Seite des Altares auf die andere, da wir auch noch sehr klein waren und kaum auf den Altar hinaufreichen konnten. Ich hatte einmal ein großes Missgeschick bei einem Hochamt und bei vollbesetzter Kirche. Ich nahm das Messbuch, das immer auf einem sehr rutschigen Polster lag, drehte mich um und wollte die Stufen hinunter gehen. Dabei hielt ich das Buch etwas beiseite und leider auch etwas nach vorne, um die Stufen sehen zu können. Aber das Buch begann zu rutschen, sauste hinunter und prallt mit lautem Getöse auf den Boden. Ich selbst wäre lieber im Kirchenboden versunken! Welch eine Schande! Ich war den Tränen nahe. Gott sei Dank sah ich nicht, wie die Leute reagierten. Ich hatte genug zu tun, das Buch wieder auf den Polster zu legen, auf der anderen Seite die Stufen hinaufzusteigen und das Buch wieder auf den Altar zu stellen. Gott sei Dank halfen mir die anderen Ministranten.
Für Ministranten gab es damals viele Tätigkeiten: Messdiener, Segensandachten, Prozessionen, Fahnen tragen, Läuten der Kirchenglocken, Versehen gehen, Begräbnisse, Hochzeiten, Weihrauchfass tragen und vieles andere!
Ein besonderes Ereignis war in der Fastenzeit immer das Aufstellen des Heiligen Grabes. Das fertige Heilige Grab hat mich persönlich immer sehr fasziniert, besonders der Kranz der bunten Glaskugeln um das Grab, die so wunderbar funkelten. Das Grab wurde während des Jahres im Karner (heute Aufbahrungskapelle, in der es früher eine Zwischengeschossdecke gab) im ersten Stock aufbewahrt. Dort oben war es immer sehr aufregend! Was es da alles zu sehen gab — so viele Statuen und andere Requisiten!
In der Fastenzeit nahmen wir Kinder uns immer vor - und es gelang uns auch meist - keine Süßigkeiten zu essen. Wenn wir welche bekamen, legte jeder sie in seine Schachtel in einem Versteck. Neben gefärbten Ostereiern und einem Osterstriezel von den Paten, waren diese Süßigkeiten ein schönes „Ostergeschenk“!
Neben dem Eierpecken war das Eierrollen ein beliebtes Spiel. Zwei Rechenstangen wurden parallel zusammengestellt und dann ließen wir die Eier hinter rollen! Worauf es aber dabei ankam, weiß ich leider nicht mehr!
Im Internet wird es so erklärt: Das Rollen von Eiern über Stangen oder eine schiefe Ebene „Oarscheibn (Eierscheiben)“ war ein traditionsreicher Osterbrauch, vor allem in Bayern und Österreich weit verbreitet. Zwei Rechen wurden parallel nebeneinander gelegt, sodass durch deren Stangen eine schmale Spur entstand. Das Ende der Rechen mit den Zähnen wurde erhöht (z. B. auf einem Stuhl oder einer Stufe) platziert. Die Teilnehmer ließen nacheinander auf den parallel eng nebeneinander liegenden Stangen dieser schiefen Bahn ihre hartgekochten Ostereier hinunterrollen. Sieger war der, dessen Ei am weitesten unbeschädigt rollte. Manche vereinbarten vorher auch, dass der Sieger die Eier der anderen Mitspieler erhielt.
Verfasser
Gottfried Payr (+2025), ehemaliger Lehrer im Marianum Freistadt, aufgewachsen in Rainbach Summerauer Straße 28
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