Im Galopp zur Pferdeeisenbahn - Neuer Verein als Motor

Im Galopp zur Pferdeeisenbahn - Neuer Verein als Motor.

RAINBACH: Erfreulich viele Liebhaber der Pferdeeisenbahn zeigten ihr Interesse an einer Revitalisierung dieses in Europa einzigartigen Kulturgutes insbesondere aber des Pferdebahnhofes in Kerschbaum und kamen zur Gründungsversammlung. Neben zahlreichen Teilnehmern aus Rainbach konnte Walter Mayr, als einer der Initiatoren für das Projekt, auch Gäste aus vielen umliegenden Gemeinden begrüßen. Ganz besonders freute ihn der Besuch des Vorsitzenden der Tourismusregion Mühlviertel, Vizebürgermeister Karl Furtlehner, aus Bad Kreuzen.

Seiner Ansicht nach würde das Mühlviertel als die Tourismusregion der Zukunft durch eine Revitalisierung der Pferdeeisenbahn sowohl in wirtschaftlicher als auch in kultureller Hinsicht eine wesentliche Aufwertung erfahren.
Dr. Hubert Roiß, dem die Pferdeeisenbahn aufgrund seines intensiven Engagements für die Freiwald-Gemeinden seit Jahren ein Anliegen ist, leitete die Wahl des Vereinsvorstandes. In geheimer Wahl wählten die Gründungsmitglieder Walter Mayr zum Obmann; sein Stellvertreter ist Helmut Knogler.
Neben Gottfried Pascher als Schriftführer und Harald Stöglehner als Kassier arbeiten auch Bürgermeister Franz Schimpl und Magistra Annemarie Obermüller von der MÜK im 16köpfigen Vereinsvorstand mit.

In Anlehnung an die am 20. Jänner in der Handelskammer Freistadt veröffentlichten Studien der Mühlviertler Kultur- und Umweltinitiative (MÜK) sowie des Wissenschaftsladens Linz über Ralisierungsmöglichkeiten des Projektes Pferdeeisenbahn soll nun als erster Schritt die Sanierung des Pferdebahnhofes in Kerschbaum in Angriff genommen werden.
Die Kosten für eine nutzungsgerechte Renovierung werden auf rund 35 Millionen Schilling geschätzt.
(Mühlviertler Rundschau 30.1.1992)

Bauchronik:

AIs am 23. Jänner 1992 der Verein „Freunde der Pferdeeisenbahn‘“ gegründet wurde, haben manche gelächelt und das Bestreben der Pferdebahnfreunde, zumindest einen Teil der Strecke wieder zu bauen, für eine Spinnerei gehalten. Die Arbeit wurde aber gleich zügig aufgenommen.

Der Linzer Architekt Dipl. Ing. Reinhard Morawetz übernahm die Planung mit viel Gefühl für die Sache. Unter seiner Bauleitung entwickelte sich der Pferdebahnhof Kerschbaum auch zu einem optischen Mittelpunkt der Region.

Zunächst musste das Dach saniert werden, um den Verfall des Hauses zu stoppen. Mit der Firma Ernst Wegrath aus Rainbach wurden die Zimmermannsarbeiten von einem heimischen Betrieb fachgerecht durchgeführt. 1994 ging es dann richtig los. Die Baumeisterarbeiten übernahm Baumeister Franz Wimberger aus Lasberg. Fenster und Türen wurden erneuert und die Fassade erneuert. Die schöne Farbe gab dem Bahnhof die Firma Hermann Pils aus Freistadt. Die Spenglerarbeiten führte die Firma Günther Keplinger ebenfalls aus Freistadt aus. Die Außentüren machte wieder eine Rainbacher Firma, die Tischlerei Kindermann.

1995 wurde der Zubau für die technischen Einrichtungen und die Sanitäranlagen in Angriff genommen.
Die Schlosserarbeiten des lichtdurchfluteten Baues führte die Firma Hammerschmid & Co aus Pregarten durch. Sie machte auch die Fenster, Türen und Tore.
Dass es hell ist im Haus und alles Strombetriebene funktioniert, dafür war die Firma Elektro Pachner aus Freistadt zuständig. Sie machte die Elektroinstallationen.
Und schließlich ist es auch warm im Haus: die Heizung baute die Freistädter Firma Wimmer.
(Neue Linzer Zeitung Juli 1996 – Seite 25)

Hannibal rollt wieder!

„Er wird in die Geschichte eingehen, der 28. Juni 1996: An diesem Freitag fuhren die Pferdeeisenbahnwagen Hannibal 1 und Franz Josef wieder über die Schienen. 500 Meter ist der originalgetreu nachgebaute Schienenstrang lang.

Das Erlebnis des Pferdeeisenbahnfahrens kann er schon eindeutig vermitteln. Alles, was Rang und Namen hat, unzählige Journalisten und Fernsehteams aus mehreren Ländern versammelten sich beim Pferdeeisenbahnbahnhof in Kerschbaum, um die erste Fahrt einer Eisenbahnkutsche, von Pferden gezogen, mitzuerleben.“
(Neue Linzer Zeitung Juli 1996 – Seite 26)

Haum's scho g'hört?

Dass die Pferdeeisenbahn nun tatsächlich läuft, ist eigentlich einer Stammtisch-G’schicht zu verdanken: Beim Ochsenwirt in Neumarkt haben Landeshauptmann-Stellvertreter Christoph Leitl und Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Alfred Obermüller überlegt, wie man die Region touristisch beleben könnte. Dass diese originelle Idee von Landesrat Leitl nun tatsächlich Wirklichkeit wurde, freut nicht nur die Rainbacher, sondern den ganzen Bezirk. Und die Moral von der Geschicht: Man sollte viel, viel öfter zum Stammtisch ins Wirtshaus gehen...

Groß war die Spannung, als das Remisentor geöffnet und die Kutschen herausgerollt wurden.
Hannibal II wurde nicht von Pferden, sondern von den beiden Landeshauptmann- Stellvertretern Christoph Leitl und Fritz Hochmair rausgezogen. Meinte Leitl humorvoll: „Wir sind heute nicht nur Landeshauptmann-Stellvertreter, sondern auch Pferdevertreter.
Ich vertrete die Liesl, der Hochmair die Susi. Die Pferde haben sich darüber abgewiehert ... .“
Auch Nationalrat Robert Elmecker war eingeteilt, einen der beiden Wagen aus der Remise zu schieben. Was dem tschechischen Honorarkonsul und Raiffeisen-Generaldirektor Komm.Rat. Mag. Dr. Ludwig Scharinger einen Zwischenruf entlockte: „Nicht immer ziehen lassen, selber kräftig anschieben .. .“
Ganz stilecht absolvierte der Direktor der Bundesbahndirektion Linz, Hofrat Helmuth Aflenzer, seinen allerletzten Arbeitstag. Als Freund und Gönner der Pferde-Eisenbahn kam er ebenfalls zur Eröffnung und war Gast der ersten Fahrt. Leitl zu Aflenzer: „Sehr viel schneller als die Pferdeeisenbahn fährt ja auch die ÖBB nicht . . .“

Was wäre eine solche Eröffnung ohne offiziellen Teil? Die Kutsche Hannibal I und der Wagen Franz Josef wurden auf charmante-Art und Weise aus der Taufe gehoben: Mit Sekt von den „Taufpatinen“ Ema Leitl und Anneliese Scharinger.

Der gute Kontakt und die Freundschaft zu Böhmen wurden nicht nur hervorgehoben, sondern auch in der Praxis bestätigt: Landeshautmann-Stellvertreter Christoph Leitl und Komm.Rat. Mag. Dr. Ludwig Scharinger haben den Honorarkonsul perfekt auf tschechisch begrüßt!
(Mühlviertler Rundschau 4.7.1996)

Kerschbaum
1990-1999
Fotos
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KmR.Dr. Christoph Leitl und LHStV. Fritz Hochmair ziehen den Pferdeeisenbahnwagen HANIBAL I aus der Remise - Pferdeeisenbahn-Archiv Rainbach im Mühlkreis
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Gen. Dir. Ludwig Scharinger mit Gattin Anneliese; Erni Leitl (beide Frauen waren die Wagenpatinen) mit Christoph Leitl; Bgm. Kons. Franz Schimpl; Dir. Walter Mayr (Vereinsobmann) - Pferdeeisenbahn-Archiv Rainbach im Mühlkreis
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Am Pferdeeisenbahnwagen "Franz Josef": Josef Zeindlhofer (sen); Tourismusregion Mühlviertel: Karl Furtlehner; Tourismusregion: Scheuner; Landesrat Viktor Sigl; - Pferdeeisenbahn-Archiv Rainbach im Mühlkreis
Verfasser

Im Pferdeeisenbahnarchiv gefunden von
Helmut Knogler
Labacher Straße 9
4261 Rainbach im Mühlkreis

Info

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