Kindheit in Deutsch Hörschlag.
Ich, Franz Schimpl, wurde als 7. Kind 1944 geboren.
Vater Karl, geboren 1908, stammte aus Zulissen, Mutter Franziska, geboren 1910, war eine geborene Wagner aus Hörschlag. Die Eltern betrieben eine Landwirtschaft mit zirka 23 Joch Wiesen, Felder und ungefähr 3 Joch Wald. Der jüngste Bruder verstarb 1949 als Kleinkind.
Das Aufwachsen und die Erziehung erfolgte auch zum Teil durch die älteren Schwestern, die sich um uns jüngsten Geschwister kümmerten.
Eine Hündin, Senta genannt, war eine Beschützerin und Spielkameradin. Sie wurde vor einen Kinderleiterwagen gespannt und wir Kinder ließen uns gerne von ihr ziehen und hatten viel Spaß dabei. Sie war sehr kinderfreundlich, aber Vorsicht war geboten, wenn fremde Personen herantraten. Sie war Beschützerin von Haus und deren Bewohner bis zirka 1952.
Meine Mutter erzählte, dass sie im Jahre 1945 zum Kriegsende diese Schäferhündin auf einer deutschen Militäruniform liegend im Garten fanden, die wahrscheinlich von einem unbekannten Soldaten abgelegt worden war. Da sich die Hündin nach Tagen, hungerplagend in unserem Haus Hörschlag 6 anfreundete, wurde sie aufgenommen. Sie schloss sich der Familie an und ließ an den Kinderwagen, in dem ich damals lag, keine fremden Personen heran. So durfte sie bei uns bleiben.
Am 10. September 1951 war mein erster Schultag. Ich besuchte die neue Volksschule Rainbach, die am 2. September 1951 festlich eingeweiht wurde. Eine alte Lederschultasche musste ich auf dem Rücken zur Schule tragen. Abends wurde bald zu Bett gegangen, hieß es doch nächsten Tag zum Ministrieren um 5:45 Uhr und an Schultagen um 6:45 Uhr das Haus zu verlassen und auf dem 4 km langen Fußmarsch das Ziel Kirche oder Volksschule rechtzeitig zu erreichen. Als Ministrant mussten manche Gebete in lateinischer Sprache gebetet werden. Das verflixte Latein war nicht so leicht zu erlernen. Im Winter wurde der Schulweg von Hörschlag nach Rainbach nicht vom Schnee geräumt. Es gab auch keinen Schneepflug oder Schulbus. Besonders an stürmischen Wintertagen hängten wir uns bei unseren älteren Geschwistern ein, um den heftigen Stürmen zu trotzen.
Im Sommer hieß es rasch nach Hause gehen, denn daheim war es zum Kartoffelklauben oder andere Arbeiten in der Landwirtschaft waren angesagt. Dies war wichtiger als Hausaufgaben machen. Strenge Zurechtweisung gab es durch unseren Vater, wenn wir auf dem Schulweg im Heiligenberg mit Relikten vom Krieg spielten. Es gab nämlich dort noch Handgranaten, Tellerminen, Panzerfäuste bis hin zu Gasmasken zu finden. Einige Mitschüler waren richtige Waffenprofis. Wir Geschwister gingen alle in die Oberstufe der Volksschule. Nur wenige hatten damals die Möglichkeit, die Hauptschule in Freistadt zu besuchen, meist dann, wenn es Verwandte in Freistadt gab, wo genächtigt werden konnte.
Manche freie Stunden verbrachten wir mit den Nachbar- und Dorfkindern. Ein beliebtes Spiel war Völkerball, eins - zwei - drei - angeschlagen, Wettrennen usw. Im Winter waren bei uns Kindern beliebt: Kartenspiele, Halma, Fuchs und Henne, Mensch ärgere dich nicht.
Besondere Ferienerlebnisse waren das Jungscharlager, der Ministrantenausflug und das Fußballspielen mit anderen Kindern aus dem Dorf.
1950/51 bekamen wir in Hörschlag den elektrischen Strom. Es musste aber sparsam mit dem Elektrischen umgegangen werden. Das Radio war überwiegend zum Hören von Nachrichten, selten für Musik da.
Zu Mittag gab es Gerichte von Obst, Gemüse Kartoffeln und Kraut, aber auch Fleisch vom eigenen Schwein. Damit es öfters frisches Fleisch gab, tauschten die Nachbarn nach dem Schlachten eines Schweines einige Fleischstücke, denn eine Kühltruhe zum längeren Aufbewahren von Fleisch gab es nämlich noch nicht. Vor dem Essen wurde ein kurzes Tischgebet gesprochen. Bei der Schulausspeisung gab es häufig Reisfleisch, das ich gar nicht hinunter brachte.
Wir Kinder schliefen im ersten Stock, die Schwestern in der Mädchenkammer, wir Buben in der Bubenkammer, wo es im Winter immer eisig kalt war. Das härtete uns ab und hielt uns gesund und den Doktor arm. Das Schlafzimmer der Eltern befand sich neben der Küche. Die tägliche Körperpflege von Kopf bis Fuß erfolgte mit dem Wasser in einer großen Schüssel, damals Lavoir (Lawour) genannt. Am Badetag badeten wir in einer verzinkten Badewanne im Vorhaus oder in der Stube. Danach wurde auch die Wäsche gewechselt. Mutter jammerte oft über die viele Wäsche, die sie zu bügeln hatte. Das Klosett befand sich im Hof und war ein Plumpsklo. Bis zum Schulalter machte der Vater bei uns Buben den Haarschnitt.
Großmutter war eine sehr gläubige Frau und wusste bei verschiedenen Wehwechen durch Hausmittel und Heilkräuter Abhilfe. Sie kannte die heimischen Heilkräuter und so gingen wir Kinder manchmal mit zum Kräutersammeln. Sie erklärte uns, wozu dieses und jenes Kräuterl gut sei und wie man sie am besten anwendet. Wir Buben haben darüber unsere Späße gemacht und schon mehr auf die Schulmedizin vertraut. Großmutter war auch eine sogenannte Spannerin zu der viele Leute, besonders an Sonntagen kamen um Rat und Hilfe für Kranke zu bekommen. Für die Hilfe bekam sie Dank ausgesprochen und manchmal auch Honig. Da gab es auch für uns ein leckeres Honigbrot.
Jeden Sonntag war der Kirchgang verpflichtend! Die Vorbereitung zur Erstkommunion und Firmung waren Familiengespräche mit Großmutter und Mutter. Ich wurde in der Bründl-Kirche in Bad Leonfelden gefirmt. Nach der Firmung fuhren wir nach Reichenthal, wo ein Jahrmarkt abgehalten wurde. Ein Kettenkarussel stach mir in die Augen. Der Firmgöd fragte mich: „Willst du damit fahren?“ Ich bejahte! Die Freude dauerte nicht lange, mir wurde schlecht und ich musste mich übergeben und das Vehikel kam immer noch nicht zum Stillstand. Den ganzen Tag war mir schlecht. So bleibt mir der Firmtag in Erinnerung.
Zu Weihnachten gingen wir Buben mit dem Vater in den Wald, um einen Christbaum, ein Fichtenbäumchen zu suchen. Weihnachten wurden im Kreise der Familie, in der Stube gefeiert. Es gab von der Großmutter, Mutter und älteren Schwestern selbstgestrickte Fäustlinge oder Socken, Kekse und selbstgemachte Schokolade mit Weihnachtsmotiven. Es war die Nachkriegszeit und man konnte sich vieles nicht leisten und trotzdem fehlte uns nichts, wir waren zufrieden.
Fotos
Verfasser
Franz Schimpl geboren 19. 12. 1944
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