Kanalbau im Ort Rainbach i. M.

Kanalbau im Ort Rainbach i. M..

„Viele Bauernhöfe hatten früher keine Jauchegrube. Die Jauche rann einfach in den Dorfgraben. Diejenigen, die eine Jauchegrube mit meistens 10.000 Liter Fassungsvermögen hatten, mussten die Jauche wegtransportieren (in Mundart: „O´l fiarn“). Sie brachten die Jauche mit einem Holzfass mit einem Inhalt von zirka 300 Liter auf die Wiesen. Das Jauchefass (in Mundart: „O´lfassl“) musste mit einem Schöpfer mit zirka acht Liter Fassungsvolumen befüllt werden. Das Schöpfen mit dem „O´lschepfa“ (= Holz- oder Metallgefäß, das an einem langen Stiel befestigt war) war eine sehr anstrengende Arbeit. Später war das Befüllen mit einer Handpumpe schon ein großer Fortschritt. Mit der Erschließung des Stromnetzes machte man diese Arbeit dann mit einer von einem Elektromotor betriebenen Kreiselpumpe.“(1)

Die Ortschaft Rainbach war besonders nach einem Regen unansehnlich. Dreckiges Wasser, oft eine Brühe aus Jauche und Wasser floss durch den Ort. Der damalige Gemeindesekretär Adam, ein innovativer Mensch, schlug aus diesem Grunde einen Kanalbau vor. Ein Teil der Abwässer könnte nach Westen, ein anderer nach Osten entsorgt werden. Kaum eine Landgemeinde hatte zu dieser Zeit schon eine Kanalisation. Damals war der Landwirt Witzany ein sehr aktiver Gemeinderat und Obmann der Wassergenossenschaft, von der damals die Drainagierung der Wiesen organisiert wurde. Auch eine Aistregulierung war vorgesehen. Einige Gemeinderäte waren jedoch der Meinung, dass man gleichzeitig auch den Kanal machen sollte. Witzany glaubte aber, wenn zeitgleich der Kanal gebaut wird, dass dann die finanziellen Mittel für die Aistregulierung fehlen würden. Aus diesem Grund war er prinzipiell gegen den Kanalbau. Ihm fehlte die Information, dass für den Kanal Geld aus dem Landesbudget und Bundesbudget kommt und für das Projekt der Wassergenossenschaft finanzielle Mittel von der Agrarbehörde zur Verfügung gestellt werden. Sekretär Adam, Landwirt Stockinger und Fritz Haider waren der Auffassung, dass man doch den Kanal machen sollte. Eine Möglichkeit für eine Zustimmung sahen sie, dass man den Kanal vorerst nur nach Westen baut. Die damals erst vor einigen Jahren gebaute Volksschule sollte jedoch unbedingt an das Kanalnetz angeschlossen werden. Von der Topographie passte dies jedoch nicht, da die Schule niedriger liegt als das Ortszentrum. In dem vorher erstellten Projekt war die Abwasserbeseitigung der Schule nach Osten vorgesehen. Aus diesem Grunde musste wieder ein neues Projekt erstellt werden, bei dem die Kanalrohre im Ortszentrum in einer Tiefe von 6 m verlegt werden mussten, um die Schule anschließen zu können. Dies erhöhte die Kosten erheblich. Es wurde dann doch nach dieser Abänderung ein positiver Beschluss im Gemeinderat für den Kanalbau nur nach Westen gefasst. Im Zuge des Kanalbaues (1958 bis 1960) wurde auch gleich die Summerauer Straße asphaltiert und ein Gehsteig errichtet.

Nachdem der Kanal fertig war und es sich herumsprach, dass die angeschlossenen Hausbesitzer alle zufrieden waren, meinten etliche in Rainbach Ost, dass man jetzt auch gleich hier weiterbauen sollte. Da man sich unsicher war, dass man im Gemeinderat für einen Weiterbau eine Mehrheit findet, machte man bei Fitz Haider in der Privatwohnung Vorgespräche, zu der man nur Gemeinderäte lud, von denen man eine Zustimmung erwarten konnte. Man entschied sich, die Hausbesitzer zu fragen, ob sie für den Kanal sind oder nicht. Tatsächlich gingen dann Fritz Haider, Michael Kindermann und Franz Stockinger von Haus zu Haus, um die Meinung zum Kanalbau einzuholen. Sie machten dies jedoch nur am Abend, damit die Kanalgegner davon nicht Wind bekamen. Die Mehrheit war für den Kanalbau. Franz Stockinger übergab dem Gemeinderat die Unterschriftenliste und ersuchte die Gemeinderäte, sich für den Weiterbau einzusetzen, was dann auch von 1960 bis 1962 geschah. Dabei gab es unerwartete Probleme. Die Parzellen rechts von der Lichtenauer Straße waren durch die Abwässer und Jauche so versumpft, dass vor der Verlegung der Kanalrohre in zirka 2 m Tiefe Holzpiloten mit einer Betonplatte als Tragwerk geschlagen werden mussten. Auch in Rainbach Ost wurde dann die Straße asphaltiert und ein Gehsteig errichtet.

Niedergeschrieben von Helmut Knogler nach einer Information über das Jaucheausbringen (1) von Karl Leitner, Kerschbaum und Gesprächen mit Fritz Haider und Franz Stockinger, beide aus Rainbach.

Rainbach i. M.
1950-1959
Fotos
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Kanalbau mit einem Seilbagger auf der Höhe der Häuser Summerauer Straße 22 und 23 (Winter 1958/59), Personen von links: Polier David, Baumeister Ing. Mössmer - Bildleihgeber: Gemeindearchiv Rainbach i. M.
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Kanalbau auf der Höhe der Bäckerei Scherb und des ehemaligen Haiderteiches, wo die Kanalrohre 6 m tief verlegt werden mussten - Bildleihgeber: Gemeindearchiv Rainbach i. M.
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Kanalbau Rainbach Ost mit der dafür errichteten Bauhütte südlich des Hauses Lichtenauer Straße 31 - Bildleihgeber: Gemeindearchiv Rainbach i. M.
Verfasser

Helmut Knogler (geb. 1949), Labacher Str. 9,
4261 Rainbach i.M.

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