Der letzte Wirtschafter auf dem Meierhof in Rainbach

Der letzte Wirtschafter auf dem Meierhof in Rainbach.

Die Geistlichen Schwestern von Rainbach erwarben 1891 eine Landwirtschaft, das sogenannte "Stadlergut" in Rainbach 7, um die Hausgemeinschaft besser mit Lebensmitteln versorgen zu können" (Quelle: Anton Sageder, Rainbach i. M., Bleibendes und Vergängliches aus 700 Jahren" Seite 389 und 390). Diesen Bauernhof gab es, bis er im Jahre 2003 abgerissen wurde, damit der Kindergarten erweitert und das Gebäude für "Betreubares Wohnen" gebaut werden konnte. Über die letzten 50 Jahre dieses sogenannten "Meierhofes" konnte noch einiges Interessantes in Erfahrung gebracht werden, wovon wir hier den Teil über die Zeit von 1979 bis 1999 veröffentlichen:

Franz Stockinger, Lichtenauer Straße 11, 4261 Rainbach i. M. erzählte unter anderem folgendes: "1952 bin ich auf den Meierhof gekommen und war dort bis Februar 1955. Vor mir war der Fleischanderl Michl. Meine Nachfolger war Karl Raab, der mit seiner Frau nach der Vertreibung aus dem Sudetenland auf dem Nöbauernhof in Kerschbaum arbeitete. Ich brachte ihn mit seinem Hab und Gut mit dem Pferdefuhrwerk am Anbetungstag (24. Dezember) 1954 nach Rainbach auf den Meierhof." Dieser war dann Wirtschafter bis zu seiner Pension. Nur vier Monate war sein Nachfolger Kases auf dem Hof. Darum suchte die damalige Oberin Schwester Ansgar einen Mann aus dem Bauernstand. Diesen fand sie in Leopoldschlag mit Hilfe ihres Bruders, dem Bauern Koller aus Eisenhut: Es war der junge Bauernsohn Rudolf Pammer, der schon die Landwirtschaftsschule und das Bundesheer gemacht hatte und anschließend daheim in Mardetschlag auf dem elterlichen Bauernhof Pammer („Resch“) arbeitete.

Als er nach Rainbach kam, waren auf dem Hof wie auf vielen andere Höfen in dieser Zeit keine großen Veränderungen geschehen. Zwei Traktoren mit Mähwerken und sämtliche landwirtschaftlichen Geräte, die in die Jahre gekommen waren, wurden im Lauf der Zeit erneuert. Umbauarbeiten im Hausstock und die Umstellung der Heizung auf eine Etagenheizung in der Stube mit angeschlossenen Heizkörpern in anderen Räumen war gerade im Gange. Die Wohnstube wurde umgestaltet. Da Rudolf Pammer im Juni 1979, also Mitte des Jahres, auf den Hof kam, blieb ihm nichts anderes übrig, als mit seinem Knecht Pilgerstorfer, zwei Mägden Jahn Anna und Rudolfs Tante Melzer Barbara und der geistlichen Schwester Basilia den Bauernhof weiterzuführen und die anstehenden jahreszeitlich bedingten Arbeiten zu erledigen. Er erinnert sich an die erste Arbeit, an das Setzen der Pflanzen auf dem Krautacker, der ungefähr dort war, wo heute das Altenheim steht. Vorgänger Karl Raab war so nett, dass er ihm zeigte, welche Gründe zum Bauernhof gehörten und was noch zu erledigen war.

Schwester Ansgar gab ihm zu verstehen, dass man nicht interessiert sei, den Bauernhof zu vergrößern, sondern mit ihm nur so viel zu produzieren, was für die Selbstversorgung für das Heim gebraucht wird. Darum wurden nur so viele Kühe eingestellt, was an Milch verbraucht wurde. Diese wurde auch für die selber mit dem Butterfass hergestellte Butter und Topfen verwendet. Die benötigten Eier bekam man von den 60 Hühnern. Mit 20 Schweinen, immer aus eigener Zucht, deckte man den benötigten Fleischbedarf. Mit ihnen wurden auch die Speisereste, die übrig blieben, verwertet. Der Bauernhof lieferte auch das Brennholz für den Küchenofen im Altenheim. Kartoffeln, Kraut und rote Rüben wurden auch für das Heim angebaut. Zusätzlich gab es einen Gemüsegarten, der hauptsächlich von Schwester Wilhemine, oftmals unterstützt von einer Magd des Meierhofes, bearbeitet wurde.

1980 wurden zwei Silos aufgestellt, dort wo der Hühnerstall war. Dieser wurde verlegt und erneuert. 1981 folgte Angela Pachlatko auf Rudolfs Tante als Magd, weil diese in Pension gegangen war. Eingestellt wurde diese auf Empfehlung von Rudolf, der mit deren Schwester Gertraud seit 1978 bekannt war und sich angefreundet hatte.

Es gab bis dahin zwei Ställe, einen älteren und einen neueren, die etwas voneinander entfernt waren. Der neuere wurde 1981 vergrößert, dass die Arbeit in einem einzigen Gebäude effektiver und leichter zu bewerkstelligen war. Bei den Bauarbeiten war ein Arbeiter der Baufirma Putschögl dabei und Rudolf und die Leute vom Meierhof halfen mit, was somit die Kosten erheblich verringerte. Das gefiel der Leitung der Schwestern in Vöcklabruck und so erlaubten sie in den Folgejahren etliche Änderungen und Anschaffungen: 1983 Verlegung des Schweinestalles, Hofpflasterung, Vergrößerung des Tores und Bild über dem Tor (gemalt von Frau Loistl), Torausbruch in der ehemaligen Futterküche für eine Garage. Bei den Erntearbeiten halfen zusätzlich auch oft Heimbewohner/innen und Schwestern mit. In den ersten Jahren auch noch die Raab-Leute.

Schwester Ansgar war es ein Anliegen, dass die Schwestern nur mehr im Heim, wo genug zu tun war, eingesetzt wurden. Deshalb stellten sie nach der Heirat von Rudolf im September 1984 dessen Ehegattin im Oktober 1984 als Landarbeiterin am Bauernhof an, auf die genug Arbeit wartete, da seit 1982 auch kein Knecht mehr am Hof war und die Geistliche Schwester Basilia nach Vöcklabruck auf den dortigen Meierhof kam. Die junge Familie wohnte im oberen Stockwerk, wo sie eine kleine Küche, ein Wohnzimmer und einen kleinen Schlafraum hatten. Hier hielten sie sich jedoch sehr wenig auf, da sich das meiste Bauernhofleben unten in der Stube und am Hofgelände abspielte.
1988 baute man, wo heute das Gebäude für das „Betreubare Wohnen“ steht mit Holz vom eigenen Wald einen neuen Stadl mit Hallenkran. Die zwei Silos wurden umgestellt und ein Silo vom Stockinger kam dazu. So konnte deren Inhalt auch mit dem Kran gefüllt und entnommen werden.

Aus wirtschaftlichen und finanztechnischen Gründen wollten im Jahr 1999 die Schwestern den Bauernhof nicht mehr weiter betreiben, sondern verpachten. Generaloberin Kunigunde besprach, was nun mit dem Meierhof, der auch noch das neue Heim belieferte, geschehen sollte. Sie wollte, dass man mit der Landwirtschaft gleich aufhört. Rudolf brachte ihr jedoch bei, dass das lagernde Futter noch verbraucht werden solle, was sie einsah. Ende Juni 1999 wurde dann das letzte Vieh verkauft. Die Maschinen und Geräte ließ man schätzen und verkaufte sie großteils an Landwirte in der Gemeinde. Bauern der Umgebung zeigten gleich Interesse, die Wirtschaftsgründe zu pachten. Nicht allen Interessierten konnten Gründe zugesprochen werden.

Angela wurde im März 1999 bei der Reinigung im Seniorenheim übernommen. Rudolfs Frau Gertraud wurde entlassen. Ihr wurde von Schwester Sebalda (Heimleitung) versprochen, wenn in der Küche eine Stelle frei wird, sie wieder zu übernehmen. Im März 2001 wurde das Wirklichkeit, da kochen ihre große Leidenschaft war. Dort arbeitete sie bis 2018.

Für den Bauernhof suchte man einen Pächter. Die Gemeinde meldete jedoch Interesse für einen Kauf an, weil man dort ein Haus für „Betreubares Wohnen“ bauen lassen wollte. Dieser Vorschlag gefiel den Schwestern und sie willigten dazu ein. Der Hof wurde gekauft und im Jahr 2003 abgerissen und der geplante Bau errichtet.

Im zweiten Jahr nach dem Heimbezug war der Rasen schon üppiger, da wurde Rudolf schon neben seiner Bauernhoftätigkeit zum Mähen mit dem fahrbaren Rasenmäher ersucht. Mit der Zeit machte er im Heim immer mehr Arbeiten, die sonst ein Hauswart erledigt. Seit Beendigung seiner Tätigkeit am Bauernhof war dies dann sein Beruf bis zu seiner Pensionierung Ende 2018.
Am 1. Juni 2000 zogen Rudolf und Gertraud Pammer in das erbaute Eigenheim hinter dem ehemaligen Röbl Kaufgeschäft ein, von dem sie das Grundstück dafür erworben hatten.

Rainbach i. M.
1970-1979
Fotos
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1979 vor dem Meierhof - von rechts: Rudolf Pammer, Jahn Anna (Magd), Pilgerstorfer Josef (Knecht), Schwester Basilia, Preinfalk Johann (Heimbewohner, der im Bauernhof wohnte), Melzer Barbara (Magd, Tante von Rudolf Pammer)
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1986 vor dem neuen Traktor– von links: Angela Pachlatko, Rudolf Pammer, Gertraud Pammer
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ungefähr 1995: Nordansicht des Bauerhofes, rechts hinten Kindergarten – Fotoleihgeber aller drei Fotos: Pammer, Salzweg 1, 4261 Rainbach i. M.
Verfasser

Helmut Knogler, Labacher Straße 9, 4261 Rainbach i. M. nach Gesprächen mit Rudolf und Gertraud Pammer (Salzweg 1, 4261 Rainbach i. M.)

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