Kaufgeschäft Röbl

Kaufgeschäft Röbl.

Im A&O-, ab 1983 SPAR- Kaufhaus waren das Ehepaar Röbl und seine meist drei Angestellten immer sehr freundlich und um das Wohl der Kundschaft bemüht, sodass viele Leute etwas traurig waren, als sie erfuhren, dass mit Juni 1995 das Geschäft zugesperrt und mit dem Kohlenhandel aufgehört wird.

Begonnen hat jedoch mit dem Handel der Vater von Robert: Karl Röbl. Wie kam es dazu? Karl Röbl war nach der Volksschulzeit zu seinem Onkel Leopold Blumauer sen. in Rainbach gekommen, weil dessen Frau keine Kinder gebären konnte. Er sollte dann als Erwachsener das Gasthaus und die Gewerbeberechtigungen erben. Als diese Frau starb, heiratete Leopold Blumauer nochmals und bekam den Sohn Leopold, der nun der Erbe war. Karl Röbl erhielt nun großzügiger Weise als Abfindung die Berechtigungen zum Flaschenbierhandel (Bier von der Linzer Brauerei) und zum Getreidehandel.

Im Jahr 1932 heiratete Karl Röbl und zog mit seiner Frau in Untermiete in das Bauernhaus Miroschnitschenko, das früher dort stand, wo heute das Haus Summerauer Str. 13 steht. Hier begann er mit dem Flaschenbier- u. Getreidehandel. Er reparierte nebenbei in einem kleinen Schuppen Fahrräder und fing auch mit dem Kohlenhandel an.

Gegenüber dem heutigen Kindergarten kaufte das Ehepaar Röbl den Ortschaftsgrund und baute 1939 ein Haus. Einen Geschäftsraum mit ungefähr 80 m² errichteten sie im Erdgeschoss. Hier fingen sie auch mit dem Lebensmittelhandel an.

Bald nach Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde Karl Röbl zum Kriegsdienst eingezogen. Wegen eines Herzfehlers musste er nicht an die Front, sondern war Gendarm in Kaplitz. Seine Frau, die bereits vier Kinder zur Welt gebracht hatte, war froh darüber, weil er doch alle 14 Tage zum Wochenende heim kam und ihr öfter bei der Arbeit helfen konnte. Sie führte nämlich den Kohlenhandel weiter, die anderen Gewerbeberechtigungen ließ sie „ruhend“ stellen, damit sie jederzeit wieder weitergeführt werden konnten, was die Röbls auch nach dem Zweiten Weltkrieg machten.

Für den Lebensmittelhandel musste Karl Röbl erst die Berechtigung erwerben. Dazu stellte er eine gelernte Kauffrau für drei Jahre an, bei der er sozusagen seine Lehre machte und anschließend eine Prüfung ablegte. Anfang der 1950er Jahre installierte man auf der Straßenseite des Geschäftes auch eine kleine Tankstelle. Das Benzin war im Freien in mehreren Fässern östlich vom Kaufgeschäft gelagert, heute unvorstellbar.

Sohn Robert erlernte im Kaufhaus Altzinger in Gutau den Beruf Kaufmann, den er dann ab 1955 daheim ausübte. Eine besondere Arbeitserleichterung war der Ankauf eines Hanomag-Kleinlastwagens mit Kipper im Jahr 1956. Damit konnte Robert das Benzin in den Fässern selber abholen, Getreide und Kohlen transportieren und Warenzustellungen erledigen. Als in Rainbach 1956 der erste Ortskanal verlegt wurde, wurde die Tankstelle entfernt, weil sie bei den Aushubarbeiten im Wege stand und es außerdem eine größere beim Kaufhaus Greul gab.

Im Jahr 1965 heiratete Robert Röbl. Im selben Jahr übergab Karl Röbl diesem und seiner Schwiegertochter Regina das Geschäft. Zu dieser Zeit wurden neben Lebensmitteln auch Tierfutter, Stoffe, Wolle, Hemden, Taschen, Babysachen und Schulsachen verkauft. Die Artikel waren fein sortiert in Stellagen untergebracht, die zum Teil auch schon für die Käufer zugänglich waren. Auch eine Wursttheke gab es.

Die vom Kunden gewünschte Ware legte der/die Verkäuferin auf eine „Pudel“ (Verkaufstisch). Von dort packte sie der/die Kunde/Kundin in die Einkaufstasche. Damals neu war die Idee, dass es Aktionsangebote gab. Die Röbls warben dafür auf großen selbstgeschriebenen Plakaten auf der Hauswand und damals völlig unüblichen Flugblättern.

Das Kaufmannsehepaar war sehr fortschrittlich und innovativ. Darum bauten sie 1971 um und erweiterten das Geschäftslokal um weitere 120 qm nach Norden. Das Warenangebot war anfangs das gleiche, jedoch in viel lockerer Anordnung, sodass der Kunde mit dem Einkaufswagen durch das Geschäft fahren und sich selber die Waren aussuchen konnte. Bezahlt hat man dann bei einer Kassa. Bald darauf hörte man mit dem Handel von Getreide und Tierfutter auf, da diese Produkte nun verstärkt durch die Lagerhäuser angeboten wurden. In der Folge gab es immer wieder Besonderheiten, welche die Leute ins Geschäft locken sollten: Gewinnspiele, Geschenke für Kinder vom Nikolaus, Gratiskaffee-Verkostung, einen ganzen Lastwagen mit Aktionsobst, in Zeitabständen auch einen Verkauf von Kleidungsstücken der Firma Adler (besonders Lederjacken wurden gut verkauft). lm Winter 1981 bot man sogar Langlaufschier an.

Das verstärkte Ernährungs- und Gesundheitsbewusstsein der Kunden war ausschlaggebend, dass man zunehmend Diät- und Reformprodukte in den Regalen präsentierte. Weil diese Produktpalette ständig erweitert wurde, kamen Leute auch aus den umliegenden Gemeinden als Käufer. Ab 1994 verkauften einmal wöchentlich auch Landwirte aus der Gemeinde im Geschäft ihre heimischen Produkte.

Verfasst von Helmut Knogler nach einem Gespräch mit Regina Röbl, 4261 Rainbach i. M.

Fotos
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Kaufgeschäft Röbl in den 1940er Jahren - Bildleihgeberin: Regina Röbl, Lindenfeld, 4261 Rainbach i. M.
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Kaufgeschäft Röbl 1982 - Bildleihgeberin: Regina Röbl, Lindenfeld, 4261 Rainbach i. M.
Verfasser

Helmut Knogler (geb. 1949), Labacher Straße 9,
4261 Rainbach i.M.